Ab Ostern unterwegs: der neue autonom fahrende Bus der SVG

Die Zukunft fährt durch Keitum

Do, 11. Apr 2019
Keitum
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Sylt

Keitum.(sc) „Ein bisschen wie Autoscooter“ soll es sich anfühlen, im neuen autonom fahrenden Bus der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) durch Keitum zu fahren – so zumindest das Resümee von Christian Thiessen als einer der rund 20 Besucher, die gegen Ende der offiziellen Vorstellung am vergangenen Donnerstag die Gelegenheit hatten, vor dem Friesensaal eine kleine Proberunde zu drehen. Wer sich selbst von den Fahrkünsten des kleinen blauen Elektrofahrzeugs überzeugen möchte, kann dies ab Ostern tun: Dann soll der Linienbetrieb des „AutoNom“ starten, der von da an immer dienstags bis samstags zwischen 10 und 17 Uhr seine Runden durch das Kapitänsdorf dreht. Diese starten am Parkplatz West nahe des Keitumer Kreisels und führen mit insgesamt sieben Haltestellen den Gurtstig entlang durch Keitum und am Heimatmuseum vorbei über den Pröstwai zurück zum Ausgangsort. Höchstens 30 Minuten soll es dauern, bis der Bus erneut an jeder Haltestelle vorbeifährt und den maximal zehn Fahrgästen Gelegenheit zum barrierefreien Ein- und Aussteigen gibt. Weil es sich um ein vom Bundesverkehrsministerium gefördertes Testprojekt handelt, ist die Mitfahrt kostenlos.

Einen Fahrer im klassischen Sinne hat der Bus nicht: Mit Chief-Operator Martin Wopat oder einem seiner zwei Kollegen sitzt zwar immer ein SVG-Mitarbeiter im Bus, dieser greift aber nur bei Bedarf ein und steuert mit einem kleinen Controller beispielsweise um auftretende Hindernisse herum. Denn das Forschungs- und Entwicklungsprojekt nennt sich zwar „Nachfragegesteuerter autonom fahrender Bus“ oder kurz: „NAF-Bus“ – dieser Begriff aber ist schon einen Entwicklungsschritt weitergedacht: „Autonom wäre ein Bus, der sich allein in einer ungelernten Umgebung bewegen kann“, so Julia Wolf von der Interlink GmbH. Der verwendete Bus des französischen Herstellers ‚Navya‘ fährt auf einer vorher einprogrammierten Route. „Wie auf virtuellen Schienen, von denen er nicht abweichen kann. Taucht ein Hindernis auf, bleibt er einfach stehen – dann ist manuelles Eingreifen nötig.“ Erkennen kann der Bus die Hindernisse dank zahlreicher Sensoren und Kameras, die einen Sicherheitsbereich um den Bus errichten: „Je näher das Hindernis kommt, desto langsamer wird das Fahrzeug.“

Um ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten, fährt der Elektrobus in der ersten Testphase auch ohne Hindernis mit maximal 18 Stundenkilometern durchs Dorf. „Dann brauchen wir zumindest keine 30-er Zone mehr im Ort“, scherzte der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm in seinen Grußworten und erinnerte sich an die Hollywood-Zukunftsvisionen von fliegenden Autos. „Fliegen kann dieser Bus noch nicht, aber angesichts des Klimawandels eine emissionsfreie Mitfahrgelegenheit durch Keitum bieten – und ich bin dankbar, dass die SVG mit ihrem Projekt etwas für die gesellschaftliche Anerkennung dieser Technologie tut.“

Wie sich die gesellschaftliche Anerkennung des autonom fahrenden Busses in Keitum entwickelt, erforscht Dr. Jana Kühl von der Universität Kiel in einem Begleitprojekt: „Wir werden Meinungsumfragen durchführen und Gespräche mit Anwohnern führen, um herauszufinden, wie sie den Bus wahrnehmen und wie andere Verkehrsteilnehmer auf ihn reagieren.“ Wer seine Meinung zu der neuen Mitfahrgelegenheit durch Keitum loswerden möchte, findet im Ort bald Fragebögen zum Ausfüllen.