Zwei neue Medienstationen im „Ziegenstall“ des Heimatmuseums

Der Vergänglichkeit entwischt

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Frank-Christian Thiemann (l.) und Lars Axmann (r.) von der Nospa in Westerland bei der Scheckübergabe mit Museumsleiter Alexander Römer

Do, 07. Mär 2019
Keitum
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Sylt

Keitum.(mk) Eigenartig, grotesk, exzentrisch und bizarr sind die Attribute, die einem zum „Ziegenstall“ von Valeska Gert einfallen, einer Kultstätte in Kampen, die zwischen 1952 und 1978 Anziehungspunkt für Promis, Urlauber, Sylter und Saisonkräfte war. Seit 2012 gibt es im Obergeschoss des Heimatmuseums einen dem Lokal nachempfundenen „Ziegenstall“. Als Tische dienten damals Futtertröge, gesessen wurde auf Melkschemeln und die Wände waren mit Graffitis verziert. 

„Der Besuch im Ziegenstall hat die Leute fasziniert – aufgrund des Ambientes und aufgrund der Möglichkeit, aus den Konventionen auszubrechen“, erklärt Museumsleiter Alexander Römer, der sich jetzt über zwei neue Medienstationen über das Leben der „Ziegenstall“-Gastgeberin Valeska Gert freuen darf, die mit 5.000 Euro aus der Kulturstiftung Nordfriesland der Nord-Ostsee Sparkassen (Nospa) unterstützt wurden. Zur symbolischen Scheckübergabe kamen am vergangenen Donnerstag Frank-Christian Thiemann und Lars Axmann von der Nospa-Filiale in Westerland ins Heimatmuseum. 

Mit der insgesamt 11.000 Euro teuren Investition „gibt es nun die Möglichkeit, den Besuchern das Leben und Wirken von Valeska Gert näher zu bringen und einen anderen Teil der Inselgeschichte mit ins Heimatmuseum aufzunehmen“, erklärt Römer. Die „Ziegenstall“ sei ein Bruch zum Rest des Heimatmuseums und solle „positiv irritieren“. Die Begleitung und Heranführung der Besucher an das Leben von Valeska Gert sei eine große Herausforderung, so Römer weiter. 

Mit den zwei neuen Medienstationen wird das Leben der 1892 in Berlin geborenen Tänzerin, die auch als Kabarettistin und Schauspielerin aktiv war, gebündelt. In insgesamt sechs Rubriken können die Besucher in das Leben von Valeska Gert eintauchen, sich aber auch zurück in den „Ziegenstall“ entführen lassen, wo die verkleideten Künstler nicht nur Getränke servierten, sondern das Publikum auch mit Gesang, Tanz, Sketchen oder Gedichten unterhielten. Neben zahlreichen Bildern, Briefen und Hörproben ist auch der Dokumentarfilm „Nur zum Spaß, nur zum Spiel – Kaleidoskop Valeska Gert“ des bekannten Regisseurs Volker Schlöndorff zu sehen, der 1977 entstand und das Werk der Künstlerin dokumentiert.

Auch warum der „Ziegenstall“ Ziegenstall heißt, wird verraten – zwar nicht an den neuen Medienstationen, sondern anhand eines Graffitispruchs an der Wand: „Gäste meckern und werden gemolken“. Ein wahres Wort, wenn man einen Blick auf die Getränkekarte des Lokals wirft, die in einer Vitrine ausgestellt ist. Damals mussten die Gäste für eine Flasche Becks bereits 10 Mark berappen. Das tat der Popularität und der Faszination der Kultstätte aber keinen Abbruch, von der sich die Besucher des Heimatmuseums auch heute noch in ihren Bann schlagen lassen können. 

Valeska Gert fürchtete nichts so sehr wie die eigene Endlichkeit, sie wollte unsterblich sein. Mit dem „Ziegenstall“ im Heimatmuseum und der Bündelung ihres Lebens und Wirkens in den neuen Medienstationen konnte ihrer Vergänglichkeit ein Schnippchen geschlagen werden.