Abschied von Pastor Christoph Bornemann nach 32 Dienstjahren auf Sylt

Mit einem Schatz im Gepäck

Christoph Bornemann freut sich auf den Ruhestand und ist sehr dankbar für 32 Jahre als Pastor in der Kirchengemeinde Westerland.

Do, 06. Jun 2019
Westerland

Westerland.(jpe) Wenn in jeder Träne zum Abschied ein Tropfen Erinnerung lebt, dann sind es für Christoph Bornemann nach 32 Dienstjahren zuallererst Erinnerungen an Begegnungen mit Menschen seiner Gemeinde. Am kommenden Sonntag, 9. Juni, wird er in der Nikolaikirche von Pröpstin Annegret Wegner-Braun offiziell im Rahmen eines Gottesdienstes ab 14 Uhr „entpflichtet“. Der formale Akt der Entpflichtung mag äußerlich Erleichterung von einer beruflichen Pflicht bedeuten. Immerhin darf sich Christoph Bornemann ab dann auch mal länger als 24 Stunden von der Insel entfernen, ohne vorher seine Vorgesetzten zu informieren. Soweit die dienstrechtliche Verpflichtung, die er stets erfüllt hat. Zusammengerechnet auf seine Dienstzeit hat er ein ganzes Jahr, also ziemlich genau 365 Tage, mit der Gemeindejugend im Tagungs- und Freizeithaus Quellengrund in Kleve verbracht und auch zahlreiche Fahrten durch ganz Europa mit der Kirchenjugend unternommen. Eine Reise führte nach Paris, ungefähr drei Wochen vor den Terroranschlägen im Jahr 2015. Noch heute ist er froh und dankbar, dass auch bei dieser Unternehmung alles gut gegangen ist. Was ihn in den vergangenen Jahrzehnten mit der Gemeinde verbunden hat, war indes sehr viel mehr als Pflicht und Verantwortung.

Das sei ihm in den vergangenen sechs Monaten bei vielen Gelegenheit immer wieder neu bewusst geworden. Und es gab viele letzte Male für Christoph Bornemann, dessen Schwerpunkt in der Jugendarbeit für die Gemeinde lag. So etwa beim Gottesdienst zum Schulbeginn im August 2018. Und immer wieder begegnet ihm in diesen Tagen die Frage: „Sehen wir Dich mal wieder?“ Er könne es nicht sagen, versichert Bornemann. Nach seiner Entpflichtung ist er noch drei Wochen auf der Insel. Und am 30. Juni endet seine Zeit als Pastor mit einem Gottesdienst am Meer. „Das wird sicherlich sehr emotional“, weiß er schon heute.

Es gebe sicherlich wenige Berufe, die so viel Zugang zu Menschen erlauben, wie der eines Seelsorgers. Dass ihn so viele Menschen in ihr Leben gelassen haben, habe ihn sehr viel von vielen unterschiedlichen Leben lernen lassen. Die aus diesen Begegnungen auch bei rund 800 Beerdigungen immer wieder gewonnene Glaubensgewissheit betrachtet er als einen Schatz gemeinsam gelebten Glaubens. Ab Juli sucht Christoph Bornemann erst einmal Abstand und fährt in den Urlaub. Immerhin habe er Sylt im vergangenem halben Jahr auch aus der Sicht eines Pendlers erlebt, der täglich von Husum zur Arbeit anreist. Auch eine Erfahrung, die ihm deutlich gemacht hat, dass die Insel in den vergangenen Jahren immer voller und auch gereizter geworden sei. Jetzt freut er sich, Husum, seine neue Heimat, näher kennenzulernen. Und auf seinen Enkel. Der darf sich auf einen in der Jugendarbeit sehr erfahrenen Opa freuen.

„Ich bin sehr dankbar für meine 32 Jahre auf Sylt. Und diese Dankbarkeit hat gleich zwei Adressaten. Einmal geht der Dank an Gott, dass ich meinen Ruhestand gesund erreiche. Zum anderen danke ich einer anspruchsvollen Gemeinde, die sich stets durch ihre Weite ausgezeichnet hat.“