50 Jahre Kirche St. Thomas in Hörnum

Gotteshaus mit Anziehungskraft

Do, 06. Jun 2019
Hörnum

Hörnum.(jpe) Für ein Gotteshaus ist sie noch recht jung: Die Kirche St. Thomas ist  in den Jahren 1969 und 1970 nach dem Entwurf des heimischen Architekten Martin Bernhard Christiansen, also vor 50 Jahren, entstanden.  Dieses Jubiläum feiert die Kirchengemeinde Hörnum-Rantum.  

Als Standort der Kirche wurde seinerzeit eine Düne am Oberen Dünenweg gewählt, neben dem schon dort befindlichen Pastorat. Vorher existierte eine provisorische Barackenkirche außerhalb des Ortes. Dort ist heute die Schutzstation Wattenmeer untergebracht. Der turmartige, spitz aufragende Chor der Kirche wirkt wie ein großes, weißes Segel. Als halte sich das Gotteshaus hart am Wind, entfaltet das Gebäude schon durch seine Form eine große symbolische Kraft als Landmarke an der Südspitze der Insel.    Bereits im Januar 1997 wurde St. Thomas in Anbetracht seiner künstlerischen  Aussagekraft und ortsbildenden Wirkung durch das Landesamt für Denkmalpflege als jüngste Kirche des Landes Schleswig-Holstein unter Denkmalschutz gestellt. 

Im oberen Teil des eigenwilligen Baukörpers befindet sich die Glocke hinter langen schlanken Schallöffnungen. Im nördlichen Bereich zeigt der kubistisch anmutende Bau drei gekielte Dreiecksgiebel, die im rechten Winkel zueinanderstehen, also in die verschiedenen Himmelsrichtungen zeigen. Der Eingang liegt im Westgiebel. Es gibt keine rechtwinklig zueinanderstehenden Wandflächen, stattdessen Dreiecksformen und unregelmäßige Vierecke und Polygone. Die schrägen Linien des Baus werden durch schräg verlaufende Fensterränder noch betont. Die Bauformen wirken zunächst unregelmäßig, der Grundriss ist aber fast symmetrisch.

Wolf-Dieter Kohler schuf die farbigen Fenster: Die schmalen schrägen Fenster erzählen die Passionsgeschichte bis hin zur Erscheinung des Auferstandenen vor dem von der Last des Kreuzes besonders erschütterten Jünger Thomas. Der Legende nach war Thomas auch der einzige Apostel, der bei der Himmelfahrt Marias nicht zugegen war. Er zweifelte laut Evangelien an dem Ereignis wie schon an der Auferstehung Jesu. Ein weiteres Fenster über dem Eingang stellt Rettung des sinkenden Petrus und die Sturmstillung dar. Das Chorfenster thematisiert in abstrakter Darstellung das Wort Jesu im Johannesevangelium (Kap. 12.32):  „Und ich, wenn ich erhört werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Wohl auch aus diesem Grunde trägt Kirche in Hörnum den Namen von St. Thomas, der in Bibelgeschichte oft die Rolle des Zweiflers einnimmt. Sie zieht die Blicke auf sich und lädt Zweifler ein, im Innenraum tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.