Projektwoche: Grundschüler, Lehrer und Eltern begeistern mit Ideenreichtum

Nachhaltigkeit macht Schule

Foto: © Jörg Peterkord / Sylter Spiegel GmbH

Kleider machen auch kleine Leute. Mit viel Kreativität und Eifer haben die Grundschüler getragener Kleidung eine „zweite Laufbahn“ geschenkt.

Do, 04. Jul 2019
Westerland

Westerland.(jpe) Am vergangenen Freitag gab es Zeugnisse an der Grundschule St. Nicolai, und die Kinder wissen dank der Noten, wohin ihre schulische Reise im kommenden Jahr geht. Aber welche Noten stellt der Nachwuchs den Erwachsenen im Umgang mit dem Planeten aus? Da geht es ja bekanntlich um die Zukunft der Jugend. Diese Frage bleibt auch nach der Projektwoche der Nachhaltigkeit wohl erst einmal unbeantwortet. Möglicherweise keimen aber schon bald die ersten Antworten. „Man muss die Gedanken auch erst einmal einpflanzen“, erklärte Schulleiter Horst-Peter Feldt. Also verwandelte das Lehrerteam um den passionierten Gartenfreund die Klassenräume in der Projektwoche vor den Ferien in bunt-blühende Erkenntnisfelder.

„Essen auf Sylt“, „Wasser – das blaue Wunder“, „Die Müllpolizei“ und „Der Kleidermarkt“ – so vielfältig das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile den Alltag durchdringt, so vielfältig waren die Ideen, die Schüler, Eltern und Lehrer dazu entwickelt und bearbeitet haben.

Erste Erkenntnis: Vieles, was einfach achtlos in den Müll geworfen wird, hat eine zweite Chance als Gebrauchsgegenstand verdient. So auch Joghurt- oder Eierbecher und Kronkorken, aus denen Brettspielfelder oder eine überraschend multifunktionale Snack-Bar gebastelt wurden. Dass das Fegen einer Bühne im Zweivierteltakt eine ziemlich coole Angelegenheit sein kann, zeigte dann auch „Das Schrottorchester“ bei der Aufführung in der Aula.

Zweite Erkenntnis: Es waren nicht allein die Demonstrationen der „Fridays-for-future-Kids“, welche die Verantwortlichen zu dieser Projektwoche angeregt haben. „Es mag eine Rolle gespielt haben“, räumt aber Schulleiter Feldt ein.

Einmal mehr hat die Grundschule die Aufbruchsstimmung vor den Ferien genutzt, um ein kompliziertes Thema mit verblüffender Leichtigkeit zu beackern. 

Aus der Perspektive der 180 Kinder ist die Insel ein Lebensraum voller Kontraste. Nicht nur die wunderschöne und empfindliche Natur, sondern auch die vollen Straßen in touristischen Spitzenzeiten prägen das Bild. Eine Kindheit auf einer Urlaubsinsel fordert auch die Schule heraus. Gäste kommen und zeigen oft gerne, welchen Luxus sie sich leisten können. Weniger sichtbar sind Eltern, die im Niedriglohnbereich in der Gastronomie arbeiten. Ist dieses Nebeneinander auf Dauer nachhaltig? Eine kleine Antwort gab die „Kleiderkammer“ – eine Tauschbörse für gebrauchte Kleidung von Kindern, die nicht allein aus Umweltgründen, sondern auch ganz konkret ökonomisch Sinn für die Schulgemeinschaft macht. Denn Kleider machen auch kleine Leute.

Gleichzeitig bedeutet Nachhaltigkeit für Schulleiter Feldt stets, den Inklusionsgedanken im Blick zu behalten und gemeinsam mit Kindern mit Behinderung die Zukunft anzugehen. Seit der Fusion von  Grund- und Förderschule ist die Schule gegenüber dem Bahnhof Westerland eben ein ganz besonderer Lernort. Vielfalt ist an dieser Schule eine Qualität. Und ihre Antworten auf die Herausforderung der Gegenwart sind nachhaltig vielfältig – mit ganz viel Ideenreichtum.