Integrationsfachdienst berät behinderte Menschen bei der Integration in den Arbe

„Wir lassen niemanden alleine“

Do, 02. Mai 2019
Niebüll
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Sylt

Insel Sylt/Niebüll.(mk) Ob angeboren, ob durch Krankheit oder Unfall: Eine Behinderung ist für Menschen eine permanente Herausforderung, den Alltag zu meistern. Aber auch in der Berufswelt wachsen die Herausforderungen, denen man sich stellen muss, um die eigenen beruflichen Ziele und Träume zu verwirklichen. Noch schwieriger ist es für Menschen mit einer Behinderung. Noch immer gibt es viele Ressentiments bezüglich der Beschäftigung gehandicapter Arbeitnehmer. In einer Leistungsgesellschaft, in der Menschen zum Humankapital und entsprechend ihrer wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten und Kenntnisse bewertet werden, haben Menschen mit Behinderung einen schwierigen Stand auf dem Arbeitsmarkt.

„Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben ist immer noch ein tabubesetztes Thema“, erklärt Doris Wiese, Geschäftsführerin des BIB in Flensburg. BIB steht für Beratung, Integration und Begleitung von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben. Aufgabe und Ziel sind individuelle berufliche Lösungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu finden. Für Nordfriesland und damit auch für Sylt ist der Integrationsfachdienst (IFD) in Niebüll, der zum freien Träger BIB gehört, der richtige Ansprechpartner. 

Dort werden sowohl Menschen mit einer angeborenen Behinderung betreut als auch Menschen, die im Laufe des Lebens eine Behinderung durch Krankheit oder Unfall ereilt hat. Eine wichtige Voraussetzung, damit der IFD mit einer kostenfreien Beratung tätig werden kann, ist eine anerkannte Behinderung. Über die Anerkennung und den Schweregrad der Behinderung entscheidet das Landesamt für soziale Dienste. „Viele Behinderungen sind nicht sichtbar und sie können sich auf verschiedene Bereiche auswirken“, erklärt Enke Jappsen vom IFD in Niebüll. Diese können sich beispielsweise auf das Hören, Sehen, die Psyche, den Körper oder die Wahrnehmung auswirken und damit auch ganz individuell auf den Arbeitsplatz. Oftmals verhindern Scham und Unkenntnis über die bestehenden Hilfsangebote eine mögliche Konfliktsituation mit dem Arbeitgeber bereits frühzeitig zu entschärfen. „Wichtig für uns ist die Frage, wie wir Personen stärken und beraten können. Wir verstehen uns als Moderator in einer Konfliktsituation“, so Wiese. Bei der Hilfestellung, beispielsweise bei der Rückkehr nach einer Erkrankung, geht es unter anderem um Fragen der Arbeitsplatzausstattung. Sei es die Anschaffung eines neuen Stuhls oder die Implementierung einer Sprachsteuerungssoftware. Die möglichen Lösungsansätze, Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu (re)integrieren, sind so vielfältig wie die betroffenen Menschen selbst. Deshalb wird auch jeder Fall individuell betreut und zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Einzelnen.

„Wir sind offen für alle Menschen mit Handicap und wollen ein Angebot mit einem niedrigschwelligem Zugang machen. Uns geht es darum, frühzeitig zu helfen und aufzuklären. Vom Antrag bis zum Konflikt im Betrieb. Wir lassen niemanden alleine“, erklärt Jappsen. Eine Rechtsberatung führt der IFD allerdings nicht durch. Sein Angebot versteht er vor allem als Hilfe zur Selbsthilfe. Die drei zentralen Themen seiner Arbeit sieht der IFD in der Arbeitsplatzsuche, beim Übergang von der Schule in das Arbeitsleben und in der Beratung bei einer möglichen Arbeitsplatzgefährdung. 

Es gebe ein großes Spektrum an Maßnahmen. „Aber oft hilft das Wundermittel der Kommunikation“, lacht Wiese. Es gebe immer noch viele Vorurteile bei diesem Thema. Unternehmen haben oft Angst, dass ein schwerbehinderte Mitarbeiter unkündbar ist, oder aber sie befürchten eine finanzielle Überforderung bei der behindertengerechten Ausstattung eines Arbeitsplatzes. „Arbeitgeber können finanzielle Leistungen erhalten, wenn sie beispielsweise neue behindertengerechte Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen, bereits vorhandene Arbeitsplätze entsprechend ausstatten sowie die Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen fördern“, erläutert Wiese. Im Zuge des Arbeitskräftemangels solle die Beschäftigung von schwer behinderten Menschen kein Tabu sein, sind sich Jappsen und Wiese einig. Unternehmen, die 20 Mitarbeiter und mehr beschäftigen, und der öffentliche Dienst sind vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, auch Menschen mit Schwerbehinderung anzustellen. Denn eine Schwerbehinderung schließt die Erwerbsfähigkeit nicht aus. 

„Unser Hauptanliegen ist die Vereinbarkeit von Behinderung und Arbeit im allgemeinen Arbeitsmarkt“, so Jappsen, die in Niebüll zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern Betroffene betreut. 

Ein weiteres Kernthema ihrer Arbeit sehen Wiese und Jappsen beim Übergang von der Schule oder einer Behindertenwerkstatt in den Beruf. Schüler mit geistiger oder körperlicher Behinderung, mit Autismus, einer Hör- oder Sehschwäche finden beim IFD Hilfe. Mit dem Modellprojekt Arbeitsmarktlotse erhalten junge Menschen mit Behinderung in Nordfriesland eine zielgerichtete Begleitung auf dem Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

 

 

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