Internes Schreiben der DB über die Marschbahn

Perspektiven sind düster

Foto: © Pixabay

Di, 05. Jun 2018
Sylt
,
Nordfriesland

Die Perspektiven für die Marschbahn sind düster. In einem internen Schreiben der Deutschen Bahn AG unter dem Titel „Sachstand Marschbahn“ wird festgestellt, dass eine „nachhaltige Verbesserung“ der Verkehrssituation erst mit der „Umsetzung des geplanten Erneuerungsprogramms möglich ist“, heißt es in dem Bericht, der unserer Zeitung vorliegt. Demnach sind bis Ende 2020 insgesamt 74,2 Streckenkilometer Gleiserneuerung vorgesehen. Das ist annähernd jeder dritte Kilometer zwischen Elmshorn und Westerland. Darüber hinaus soll über ein „Zusatzprogramm Marschbahn“ unter anderem für die Verbesserung der Bahnübergänge zusätzliches Geld in die stark belastete Strecke flie- ßen. Letzteres Programm soll in den „kommenden Wochen und Monaten“ umgesetzt werden, heißt es in dem Bericht weiter.

Zudem wird eingeräumt: „Neben den Schienenfehlern gibt es Abschnitte mit schwierigen Bodenverhältnissen und einem Rückstau in der Instandhaltung der Gleisentwässerung. Hinzu kommt eine Vielzahl an Bahnübergängen (…), die in den Investitions-und Instandhaltungskonzepten zu berücksichtigen sind.“ Weitere zweieinhalb Jahre Chaos also zwischen Elmshorn und Westerland, insbesondere auf dem überwiegend eingleisigen Abschnitt Niebüll-Westerland, der durch den Autozugverkehr von gleich zwei Anbietern noch zusätzlich belastet ist?

Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) fasst in einem internen Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zusammen: „Im Bereich der Eisenbahninfrastruktur kommen wir nicht weiter.“ Und weiter: „Ich befürchte in Zukunft weitere vergleichbare Situationen und bitte daher dringend um die unverzügliche Einsetzung eines Qualitätsbeauftragten für die Infrastruktur der DB AG in Schleswig-Holstein.“ Darüber hinaus fordert Buchholz die weitere Präzisierung eines Sofortprogramms für die Marschbahn und die Aufnahme der Zweigleisigkeit des Abschnitts Niebüll-Klanxbüll in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Dieses Schreiben liegt unserer Redaktion ebenfalls vor.

An letzterer Forderung hält auch die CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord, Astrid Damerow, weiterhin fest – auch vor dem Hintergrund der Ankündigung des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, das Überholgleis bei Klanxbüll (Lehnshallig) zu verlängern. Astrid Damerow dazu: „Nach einem Telefonat sind wir uns einig, dass diese vorgezogene kurzfristige Maßnahme gut ist, aber allein nicht reichen wird.“ Diese Maßnahme dürfe in keiner Weise die Hochstufung des Ausbaus des Abschnitts Niebüll-Klanxbüll in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan blockieren. Die Entscheidung über die Hochstufung soll im nächsten Monat in Berlin fallen. Astrid Damerow ergänzt zu diesem Thema: „Nach der Hochstufung muss sofort ein Zeitplan für die Ausführung des Ausbaus erstellt und unbedingt eingehalten werden. Eine Jahrzehnte-Baustelle können wir uns hier nicht leisten.“