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Zur Geschichte des Skateparks seit ihrem Beginn

800 umstrittene Quadratmeter

Foto: Pixabay

Von Frank Berno Timm

Westerland. Auf dem Gelände des Sylt-Stadions soll ein Multipark entstehen. Teil davon wird eine Skater-Anlage sein. Und das gefällt, wie ausführlich in dieser Zeitung berichtet, nicht jedem. Auf der einen Seite sind die Nachbarn, die sich sogar in einer Interessengemeinschaft (IG) organisiert haben, und die Sylter Unternehmer. Auf der anderen Seite, der Seite der Befürworter, steht neben dem TSV und den Grünen auch die Politik in der Gemeinde Sylt. Die Nachbarn befürchten steten Lärm und Ärger, die Sportler wollen – wenig überraschend – Sport aller Art treiben, wobei Geräusche naturgemäß nicht zu verhindern sein werden. Fasst man die Entwicklung rückblickend zusammen, ergibt sich folgende Situation: Am 18. September 2019 hat der Ausschuss für Jugend, Kultur und Sport beschlossen, einen Bauantrag für den Abschnitt einer Rollsportanlage zu erarbeiten. Dieser ist am 27. April 2020 beim Kreis Nordfriesland eingegangen und sieht nach Angaben des Kreises die Errichtung eines Skaterparks mit einer Grundfläche von etwa 800 Quadratmetern vor – einschließlich Schallschutzwand.

Mitte Oktober 2019 haben sich Ulrike und Andreas Dobrzinski, die in der Nähe der ins Auge gefassten Baustelle wohnen, schriftlich an Bürgermeister Nikolas Häckel gewandt.

Der Brief liegt dem Sylter Spiegel vor. Im wesentlichen macht der Mediziner darauf aufmerksam, dass eine Anlage von 500 Quadratmetern Größe baurechtlich an dieser Stelle nicht möglich ist. „Die Folgen allein für die Oberflächenentwässerung, auch im Hinblick auf eine weitere Flächenversiegelung in späteren Bauabschnitten, ist nicht absehbar“, sagte Andreas Dobrzinski. Knapp zweieinhalb Hektar stünden zur Überplanung bereit „und die öffentlich geäußerten Bauwünsche reißen nicht ab“.

Mit dem Bauantrag, berichtet der Kreis Nordfriesland auf Anfrage, sei ein Schallgutachten eingereicht worden. Dieses werde durch die zuständige Fachbehörde (Amt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Außenstelle Flensburg) geprüft. Der Kreis weiter: „Eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist diesbezüglich laut den Verfahrensvorschriften der Landesbauordnung (LBO) nicht vorgesehen.“ Die ostwärts gelegenen Wohngebiete „bzw. der hieraus resultierende Schutzanspruch dieser Nutzungen“ sei im Rahmen einer schalltechnischen Zulässigkeitsuntersuchung berücksichtigt worden. Für den Strand, der nicht „baurechtlich überplant“ sei, könne kein solcher Schutz geltend gemacht werden. Allerdings: Der westlich vom Bauplatz gelegene Dünenbereich ist laut Kreis Nordfriesland ein „gesetzlich geschütztes Biotop“. Dann gibt es noch das Südwäldchen in der Nähe, Natur- oder Landschaftsschutzgebiete befinden sich allerdings dort nicht.

Dass es gegen die Skateranlage Bedenken in der Nachbarschaft gibt, ist bis in die Kreisverwaltung vorgedrungen. Ein Anlieger aus dem Fischerweg sei am Baugenehmigungsverfahren nach der Landesbauordnung (LBO) beteiligt worden und habe Bedenken vorgetragen. Dabei gehe es um Lärm in der Nacht und zusätzlichen Verkehr. Diese Einwände würden im Baugenehmigungsverfahren „mit großer Sorgfalt behandelt“.
Ein entscheidender Streitpunkt ist die Schallschutzmauer, die – nach ersten Angaben – bis zu 5,62 Meter hoch sein soll. Ist die wirklich nötig? Bürgermeister Nikolas Häckel: „Laut Lärmschtutzgutachten soll dies notwendig sein“. Offensichtlich war man sich in der Gemeindeverwaltung dessen nicht wirklich sicher. In einem Vermerk der Projektgruppe Multipark vom 4. Juni dieses Jahres wird die maximale Höhe der Mauer mit lediglich 5,26 Metern angegeben. Der Kreis wird mit einem Absatz eines Schreibens zitiert, in dem steht, dass der Abweichungsantrag hinsichtlich Bauhöhe des Schallschirms „nicht erforderlich ist“. Der Sylter Spiegel darf laut Kreisverwaltung keine Einsicht in das Schriftstück nehmen.

Bürgermeister Häckel bekräftigt, seitens der Gemeinde „besteht weiter die Offenheit und der Wunsch, die zukünftige Betriebsform öffentlich zu erarbeiten und zu diskutieren“. Auch die Fragen und Impulse der Nachbarschaft sollten beantwortet werden.
Was auch bedeutet: Der Skaterpark wird realisiert, die Frage ist nur, wie er aussieht und ob er genehmigt wird. Was Häckel Andreas Dobrzinski geantwortet hat, kommentiert das Gemeindeoberhaupt nur so: Es seien der „damalige Sachstand und das weitere Verfahren dargestellt“ worden. Übrigens: Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sehe das entsprechende Gesetz nicht vor.

Zum zuletzt geäußerten Kompromissvorschlag, die Skaterhalle zu überdachen, sagt Häckel, dies sei bislang nicht vorgetragen und deshalb auch nicht diskutiert worden. Aber es gebe die Planungsidee, im zweiten Bauabschnitt eventuell eine Überdachung vorzusehen, die gegebenenfalls „in Verbindung mit einem Vereinshaus konzipiert werden könnte“, so der Rathauschef.

Skater warten lange

Der Verein Skateboarding Sylt teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, die rund 150 Skater der Insel träumten seit 50 Jahren von einer solchen Anlage. Die Skater beschreiben ihren Sport als Alternative, wenn die Wellen auf dem Wasser ausbleiben: Der Spaß beim Rollen oder Gleiten ist der gleiche, sagen sie. Eine Top-Destinantion wie die Insel brauche einen zeitgemäßen Skaterpark. Dieser gehöre an einen Platz, wo er gesehen werde: „Draußen erfüllt es noch nicht mal seinen Zweck, nämlich ein sozialer, aktiver Treffpunkt zu sein.“ Die Bürger der Insel brauchten schon lange eine Fläche für Jung und Alt im Trubel des Tourismus, betont der Verein. Über 84 Prozent der Sylter Schüler verstehen das „und sehen den Multipark zu 80 Prozent am Südwäldchen“. Bislang, finden die Skater, ist das Rollangebot auf der Insel spärlich; Sie reisen immer wieder nach Dänemark, wo Skater „in die Mitte der Gesellschaft“ geholt werden.

Entwickelt und geplant wird seit mittlerweile drei Jahren. „Alle Planungsschritte sind von Anfang an, wie von der Politik gefordert, von Lärmspezialisten begleitet worden“, so sei die 5,26 Meter hohe und 14 Meter lange Lärmschutzwand zustande gekommen.

Den besorgten Anwohnern empfehlen die Skater eine Infotour zum Street-Dome nach Haderslev (Dänemark), „wir kommen gerne mit.“ Die Skater betonen, dass in dem neuen Park weder das Niveau von Kreissägen- noch Flugzeuglärm erreicht werde. Zum Vorschlag, das Gelände zu überdachen, meinen sie, solche Parks würden zu 90 Prozent offen gebaut. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Stand der Planung und bedanken uns bei der Politik, dem Bürgermeister, der Verwaltung, dem TSV Westerland, dem Jugendzentrum und der Sylter Öffentlichkeit für den großen Zuspruch, den wir erfahren.“ Der Entwicklungsprozess sei „gelebte Demokratie“. Die Kommune wird auf die Anwohner zugehen, „und wir werden sehen, wie wir zusammenkommen können“, sagen die Skater.

Kommentar – Mitsprache schafft Vertrauen
Natürlich kann sich die Verwaltung darauf berufen, dass eine Öffentlichkeitsbeteiligung beim Lärmschutz in Sachen Skaterpark rechtlich nicht vorgesehen ist. Aber das ist nicht klug. Genauso wenig wie das Argument, die Umweltverträglichkeit müsse nicht untersucht zu werden. Aber man darf die Umweltverträglichkeit prüfen. Je mehr Öffentlichkeit und Nachbarn an den Planungen für die Sportanlage beteiligt werden, um so größer ist dann ihre Akzeptanz. Wenn man sich vor Gericht wieder sieht, haben alle verloren. Die Rechnung ist so simpel, dass es schon Leichtsinn, wenn nicht gar Dummheit wäre, sich nicht daran zu halten.

Im benachbarten Hamburg sind Öffentliche Plandiskussionen – nicht nur bei öffentlichen Bauvorhaben – durchaus üblich. Manche Bäume sind so gerettet und sinnvolle Beteiligungsgremien geschaffen worden.

Runder Tisch, Beirat, Gespräch beim Bürgermeister – der Name für das Kind ist egal. Ein baldiger Termin dafür müsste sich finden lassen. (fbt)

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