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Nächtliche Feier endet mit hohem Schaden

14 Strandkörbe verbrannt

Foto: Polizei Die verbrannten Strandkörbe sind inzwischen weggeräumt.

Westerland.(fbt) Die Reste sahen – nicht nur zufällig – wie ein abgebranntes Lagerfeuer aus. In der Nacht zum Mittwoch entdeckte, wie die Polizei mitteilt, ein Mann nachts um 2 Uhr bei einem Spaziergang ein Feuer. Er rief Polizei und Feuerwehr, die die Flammen zügig löschte. Der Sachschaden beträgt laut Mitteilung 16.000 Euro. Unbekannte hatten die Strandkörbe zuvor im Kreis aufgestellt und gefeiert, die Polizei fand Flaschen, Dosen und Zigarettenreste. Immerhin 14 Strandkörbe wurden komplett vernichtet, zwei weitere durch Hitze beschädigt. Die Brandstelle befand sich in Höhe des Strandübergangs Käpt‘n-Christiansen-Straße. In Westerland gibt es laut Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) in der Hochsaison bis zu 3.000 Strandkörbe, weitere 900 in Rantum. Derzeit ist die Vermietung in Westerland allerdings wegen Bauarbeiten teilweise eingeschränkt. Strandkörbe sind, wie eine kurze Netzrecherche ergibt, übrigens noch nicht sehr alt. Darüber, wer den ersten gebaut hat, gibt es unterschiedliche Ansichten: Das Erholungsutensil wird meist Wilhelm Bartelmann zugeschrieben, der 1882 für Elfriede von Maltzahn den ersten Korb gebaut haben soll, mit dem sie es sich am Ostseestrand von Warnemünde bequem gemacht hat.

Aber auch die Familie des Sachsen Johann Adolf Schaft nimmt die Strandkorb-Idee für sich in Anspruch. Schon um 1900, heißt es auf der Website des Unternehmens Bartelmann, habe sich der Strandkorb „in allen deutschen Küstenbädern durchgesetzt“.

Ob das alles auch stimmt? Das Onlinemagazin Libellius jedenfalls weist darauf hin, dass Strandkörbe schon vor dieser Zeit bekannt gewesen sein müssen – schließlich ist das gute Stück von Malern gemalt und von Dichtern besungen worden.

Die Bartelmann-Geschichte wird erzählt, seitdem für das Gruppenfoto beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen Regierenden extra ein überdimensionales Strand-Sitzmöbel für alle gebaut worden war.

Und auch Dichter fanden nette Worte. Libellius zitiert Thomas Mann, der von dem „eigentümlich bergenden Sitzhäuschen“ angetan gewesen sei.
Und wann stand der erste Strandkorb auf Sylt? Elisabeth Westmore aus dem Sylter Archiv teilt auf entsprechende Fragen mit, dass dies bereits 1877 im Herrenbad der Fall gewesen sein soll.
Dass die Körbe, nicht unwesentlich aus Weiden und Rohr bestehend, immer mal brennen, zeigt ebenfalls eine ausführliche Recherche im Internet. Nur drei Beispiele von anderswo: 1993 auf Hiddensee, 2007 auf Fehmarn (250 Körbe im Winterlager) – und im vergangenen März gingen 100 Körbe auf Usedom in Flammen auf.

Auch Sylt war mit einem Feuer in Wenningstedt-Braderup, bei dem 2014 ein Lager mit 1.500 Körben abbrannte, betroffen.
Neuerdings entwickelt sich der Strandkorb zu einem Sehnsuchtsobjekt ganz anderer Art: Das Sitzmöbel sei angesichts der Corona-Pandemie heiß begehrt für den heimischen Garten, berichten mehrere Zeitungen. Das mag damit zusammenhängen, dass für viele der Urlaub, eben wegen Corona, ausfällt.

Bleibt noch nachzutragen, dass die Polizei für das aktuelle Feuer in Westerland Zeugen sucht. Wer hat am Dienstagabend bzw. in der Nacht zum Mittwoch Menschen am Westerländer Hauptstrand beobachtet, die in ihrer Strandkorb-Burg gefeiert haben oder kann sonstwer Hinweise in diesem Zusammenhang geben? Die Beamten bitten um Anruf unter der Telefonnummer 04651 70470.

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