Über die Zukunft des Meerkabaretts - So viel Kultur wie noch nie

29.03.2017

Joachim Wussow kündigt in unserer Zeitung die größte Meerkabarett-Saison an, die es je gab. Foto: hwi

Rantum. „So viel wie noch nie“ kündigt Joachim Wussow im Gespräch mit unserer Zeitung an: 50 bis 60 mal wird sich in diesem Sommer der Vorhang des Meerkabaretts öffnen – die genaue Zahl ist noch nicht bekannt. Meerkabarett-Chef Joachim Wussow plant derzeit noch letzte Auftritte. Unser Redaktionsmitglied Heiko Wiegand ist mit ihm ins Gespräch gekommen – über Kosten und Perspektiven, über neue Auftrittsorte und Programmschwerpunkte.

Herr Wussow, in den vergangenen Monaten hat es immer wieder Diskussionen über die Frage gegeben, wie stark sich die Gemeinde Sylt an der Finanzierung des Meerkabaretts noch beteiligen soll. Mit wie viel Geld springt die Gemeinde denn dieses Jahr konkret ein, falls die Erlöse die Kosten nicht decken, wie in den vergangenen Jahren geschehen?
Mit bis zu 25.000 Euro. Das heißt, die Gemeinde gleicht ein mögliches Defizit bis zu einer Höhe von 25.000 Euro aus.

Wie hoch war die Summe im vergangenen Jahr?
30.000 Euro.

Und was passiert, wenn das Defizit höher sein sollte als 25.000 Euro?
Dann richten sich die Augen auf mich. Aber wir sind in diesem Jahr besser aufgestellt. Wir haben uns noch stärker um mehr Sponsoring für einzelne Veranstaltungen und Anzeigen im Programmheft in Zusammenarbeit mit der Sylter Wirtschaft gekümmert, obwohl ich in der Vergangenheit immer glaubte, dass die Akquise nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt (lacht).

Wie hoch sind die Ausgaben für das Meerkabarett insgesamt?
Zwischen 470.000 und 500.000 Euro. Wir hatten im vergangenen Jahr rund 14.000 Besucher, das entspricht einem Schnitt von 320 Besuchern pro Veranstaltung.

Ihr Ziel für die Zukunft ist, am Ende einen Euro mehr in der Tasche zu haben als Sie ausgegeben haben...
So ist es. Es muss wirtschaftlich aufgehen, ganz klar. Ich mag nicht jedes Jahr in Verlegenheit gebracht werden.

Was passiert, wenn die Gemeinde Sylt künftig überhaupt kein Geld mehr zur Verfügung stellen sollte?
2018, so lautet die Überlegung der Gemeinde, soll es noch einmal eine Absicherung der Gemeinde geben. Und ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass wir auch für 2017 nicht den gesamten Rahmen der gemeindlichen Hilfe ausnutzen wollen. Aber es hängt letztendlich von vielen Details ab.

Und was passiert nach 2018?
Sollte es überhaupt keine Hilfe mehr von der Gemeinde geben, werde ich vielleicht noch ein Jahr weitermachen. Aber wenn es sich nicht tragen sollte, wäre danach sicherlich Schluss.

Was treibt Sie eigentlich an, jedes Jahr von Neuem einen so großen Aufwand in Planung und Durchführung zu betreiben?
(denkt einen Moment nach) Ich bin begeistert, wenn ich nach einer Veranstaltung in die glücklichen Gesichter meiner Besucher blicke, wenn sie einen tollen Abend hatten. Das treibt mich an, weiter zu machen.

Gibt es noch andere Gründe?
Das Meerkabarett gehört seit über 20 Jahren zu dieser Insel. Sylt würde etwas fehlen, gäbe es das Meerkabarett nicht mehr. Auch das treibt mich an.

Kommen wir zur Planung für dieses Jahr: Was wird es Neues geben? Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Neu ist vor allem, dass wir mit dem Keitumer Friesensaal, in dem dieses Jahr erstmals Meerkabarett-Club-Veranstaltungen stattfinden, viel mehr Möglichkeiten haben. Es wird strukturell sicherlich unsere größte Aufgabe sein, die Veranstaltungen in das Meerkabarett zu integrieren. Wir planen dort 13 Auftritte. Hier in Rantum ist die logistische Basis, aber in Keitum soll alles genauso gut klappen wie hier.

Welche Veranstaltungen sollen im Friesensaal vor allem stattfinden?
Der Saal ist etwas kleiner, dort passen rund 200 Besucher hinein. Entsprechend planen wir dort auch etwas kleinere Veranstaltungen.

Wer übernimmt das Catering im Friesensaal?
Die ,Reblaus‘ kümmert sich kulinarisch um die Gäste.

Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft noch weitere Örtlichkeiten hier auf der Insel hinzu zu nehmen?
Warum nicht? Es gab schon Anfragen. Auch das Meerkabarett kann sich weiterentwickeln, aber jetzt denken wir nur an Rantum und Keitum.

Herr Wussow, bevor wir abschließend zu den Schwerpunkten des diesjährigen Programms kommen, noch eine Frage zum kulturellen Leben auf dieser Insel im Allgemeinen: Sehen Sie während der Sommersaison inzwischen die Gefahr eines Überangebots? Wenn man die Angebote im Wenningstedter Kursaal sieht, das Programm außerhalb des Meerkabaretts im Friesensaal, die Veranstaltungen der Tourismus-Services, den Kampener Literatur- und Kultursommer und die Angebote der Kirchen – wer blickt da noch durch?
Es kann in der Tat ein Problem sein, dass in den Sommermonaten so viel angeboten wird. Was mir angesichts des großen Angebots tatsächlich Sorge macht, sind die Fälle, in denen Paare oder Familien sich für einen bestimmten Abend etwas aussuchen wollen, angesichts der Fülle des Angebots aber zu keinem gemeinsamen Ergebnis kommen – und am Ende dann vor dem Fernseher enden. Das ist meine Befürchtung...

...Die einzige Befürchtung?
Es wird immer schwieriger, junge Erwachsene für unser Angebot zu begeistern. Deren Interessen sind sehr heterogen. Für Kinder planen wir jedes Jahr etwas Besonderes ein.

Spielt denn auch das Wetter im Kartenvorverkauf eine Rolle?
Ja, klar. Wenn es von schlecht auf gut wechselt, verkaufen Sie keine Karten mehr.

Zu den Inhalten des diesjährigen Programms: Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Wie gesagt, wir bieten in diesem Jahr erstmals bis zu 60 Veranstaltungen in Rantum und erstmals auch in Keitum an – und wir haben wieder sehr auf Qualität geachtet. Ganz besonders freue ich mich in diesem Jahr auf Axel Prahl und auf Ute Lemper, die bereits im Jahr 2015 bei uns zu Gast waren. Auch auf Hagen Rether freue ich mich, der am 1. September auftritt, und auf das Ukulele Orchestra mit seinem Programm ,Full English Brexit‘. Es wird wieder ein abwechslungsreiches Programm werden – mit einer guten Mischung aus Kabarett, Varieté und Musik. Lassen Sie sich überraschen.

Wo liegen in den verschiedenen Genres Ihre persönlichen Vorlieben?
Ich liebe das politische Kabarett. Es ist eine Kunst, Salz in die Wunde zu streuen, wo die Gesellschaft nicht mehr funktioniert. Es ist anregend, auch seine eigenen Denkgewohnheiten in Frage stellen zu lassen. Das schätze ich schon sehr.


Autor/-in: Heiko Wiegand