Über die Perspektiven von Hallen und Tourismus – Interview mit Peter Douven - „Nicht auf Blindflug begeben“

21.02.2017

Bis Mitte des Jahres will Flughafen-Geschäftsführer Peter Douven erste Ergebnisse in Sachen Zukunft der Halle 28 vorlegen. Foto: Archiv

Gemeinde Sylt. Seit Januar liegen die Hallen 25 und 28 in seinem Verantwortungsbereich. Und die großen Probleme auf den Schienen nach Sylt – liegen sie ihm schwer im Magen? Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS), stellte sich dieser Tage den Fragen unseres Redaktionsmitglieds Heiko Wiegand.

Herr Douven, der SSW wollte Sie in den Hauptausschuss bestellen. Es ging um ,regelmäßige Einladungen‘, um dort ,weiter zu beraten‘. Was ist der Hintergrund für den Informationsbedarf dieser Fraktion? Die Initiative ist ja in der vergangenen Woche nur mit knapper Mehrheit im Ausschuss abgelehnt worden...
Ich sehe die Initiative des SSW unproblematisch. Ob es um die Veranstaltungen auf der Promenade geht oder um die Mobile Homes in Rantum – mein Gremium ist der Aufsichtsrat des ISTS. Der wird von mir sehr bewusst und sehr transparent informiert. Und darüber hinaus: Die Geschäftsführung des ISTS hat prinzipiell die geschäftliche Verantwortung zu tragen. Und die ist nicht in den Hauptausschuss delegierbar.

Der ISTS ist, rechtlich eine selbständige GmbH...
...und deren Geschäftsführung haftet übrigens persönlich. Vor diesem Hintergrund muss sie auch das Recht haben, selbständige Entscheidungen zu treffen, selbstverständlich auf Grundlage und im Rahmen des vorgegebenen Wirtschaftsplans. Und nochmal: Ich lege großen Wert auf Transparenz im Kontrollgremium. Und das ist der Aufsichtsrat des ISTS.

Soviel zu dieser aktuellen Initiative des SSW. Kommen wir zu den Hallen 25 und 28, die ja, wie berichtet, im Januar an den ISTS übertragen worden sind. Nun sagen hinter vorgehaltener Hand viele: Jetzt wollen wir mal sehen, wie Herr Douven das Geld für die anstehenden umfänglichen Sanierungen zusammenbekommen will...
Das wird keine leichte Aufgabe – zumal es ja für die Sanierung der Halle 25 bekanntlich gar kein Geld geben wird. Aber ich werde mich auch nicht auf einen Blindflug begeben. Denn hätte ich es für unmöglich gehalten, die Hallen zu sanieren, hätte ich sie nicht übernommen. Was ich Ihnen heute sagen kann: Es gibt Hoffnung und Perspektive, etwas hinzukriegen. Was ich derzeit aber nicht will, ist eine öffentliche Berichterstattung zu diesem Thema. Wir arbeiten jetzt unter fachlicher Begleitung, wir tun das im Team – und wir tun es leise.

Wann darf die Öffentlichkeit mit ersten Ergebnissen rechnen?
Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte des Jahres einen entscheidenden Schritt weitergekommen sein werden.

Aber es bleibt dabei, dass die Halle 28 in Zukunft als Katastrophenschutzhalle genutzt werden soll? Und dass darin in akuten Notfällen auch Menschen untergebracht werden können?
Das ist der zentrale Antrieb. Mit dem hiesigen DRK und der Feuerwehr als Betreiber. Für mich als dem Verantwortlichen für den Flughafen ist das von hohem Wert. Wenn der Flughafen wieder zertifiziert wird, muss es einen entsprechenden Notfallplan geben, in dem die Halle 28 mit den angesprochenen Akteuren eine zentrale Rolle spielen wird.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den hiesigen Rettungskräften, also mit dem DRK und den freiwilligen Feuerwehren auf der Insel?
Die Zusammenarbeit ist sehr eng und vertrauensvoll. Das läuft alles sehr gut. Wir wollen und werden das hinkriegen.

Wie sieht es mit der Halle 25 aus?
In diesem Fall habe ich ein organisatorisches und betriebswirtschaftliches Interesse. Meine Überlegung ist, die Flughafen-Verwaltung aus dem Terminal in die Halle 25 umziehen zu lassen. Dort stehen ebenfalls Büroräume zur Verfügung. Die frei werdenden Räumlichkeiten im Terminal kann ich dann vermieten und außerdem im Hauptgebäude dringend benötigten Platz durch Umschichtungen erreichen.

Und was lässt sich mit der eigentlichen Fläche in der Halle 25 anfangen?
Dort wird die Flughafentechnik abgestellt werden, die derzeit noch auf zwei Hallen aufgeteilt ist. Und darüber hinaus gibt es durchaus in der Saison eine Nachfrage nach überdachten Flächen für Flugzeuge. Und wir planen für 2018 eine größere Open-Air-Veranstaltung in und an der Halle 25.

Zu einem anderen Thema: Welche Auswirkungen hat aus Ihrer Sicht als Touristiker das inzwischen seit Monaten andauernde Bahn-Chaos auf die Insel?
Wenn man das aktuell auf der Marschbahn eingesetzte Wagenmaterial vor Augen hat, stellt sich die grundsätzliche Frage, wie das mit einer Top-Destination wie Sylt in Einklang zu bringen ist. Es passt nicht zusammen. Unabhängig davon erwarte ich allerdings auch, dass die Landesregierung mit ihrer Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH nachhaltig geschlossen dafür eintritt, Bestrebungen Paroli zu bieten, die nicht übermäßig erfolgreiche Strecke Hamburg-Flensburg-Dänemark auszubauen und stattdessen die Westküstenverbindung zu vernachlässigen. Das ist schon ein wesentliches Thema.

Profitiert denn im Umkehrschluss der Flugverkehr davon, wenn es auf der Schiene Probleme gibt?
Der Flughafen profitiert, ganz klar. Das kann ich generell für das Jahr 2016 sagen. Und die Prognosen für das Jahr 2017 in diesem Bereich sind solide. Die Nachfrage der Airlines ist da, der Flughafen Sylt hat in Deutschland auf der Ebene der Regionalflughäfen die mit Abstand meisten Inlandsverbindungen.

Wie haben sich die Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr übernachtet?
Wir liegen bei einem Plus von etwa drei Prozent. Und erwarten für dieses Jahr ein ähnliches Niveau, wenn wir die aktuelle Buchungslage betrachten.

Um es zusammenzufassen: Die alten Interregio-Wagen aus den 90-er Jahren passen nicht zur Top-Destination Sylt, aber die Gäste lassen sich davon nicht abschrecken und kommen trotzdem auf die Insel?
So könnte man es lakonisch formulieren, ja.


Autor/-in: Heiko Wiegand