SPD stellt Initiative zur Tagespflege vor - 350 Sylter von Demenz betroffen

17.05.2017

Die Mitarbeiter des Johanniterhauses am Wenningstedter Weg bekamen am vergangenen Freitag Rosen und ein großes Dankeschön. Links: Ortwin Merckens, rechts: Eberhard Eberle. Foto: Heiko Wiegand

Von Heiko Wiegand

Insel Sylt.
Die Deutschen werden älter. Damit wachsen die Herausforderungen, sich um diejenigen zu kümmern, die im Alter gesundheitliche Probleme bekommen. Und es geht um deren Angehörige. „Etwa 1,5 Millionen Menschen werden bis zum Jahr 2030 in der Bundesrepublik an Demenz erkrankt sein“, sagte Eberhard Eberle (SPD), Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf Sylt lebten aktuell rund 350 Menschen, die an einer demenziellen Erkrankung leiden.
Just am „Tag der Pflege“ stellte er einen Antrag der SPD-Fraktion vor, mit dessen Hilfe einer einmal im Monat angebotenen Tagespflege für demenziell Erkrankte unter die Arme gegriffen werden soll. „Für die Initiative ,Gut leben mit Demenz auf Sylt‘ soll die Gemeinde Sylt 8.000 Euro für eine Anschubfinanzierung für Sach- und Personalkosten zur Verfügung stellen“, erläuterte Eberle. Überdies soll der Gesundheitsausschuss im kommenden Herbst über den Fortgang des Angebots detailliert informiert werden. Das Angebot für an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige wird von der Initiative „Gut leben mit Demenz auf Sylt“ getragen. Immer am letzten Freitag im Monat stehen im Seniorenzentrum an der Steinmannstraße 15 Tagespflegeplätze für an Demenz erkrankte Sylter zur Verfügung. So haben Angehörige die Möglichkeit, den Tag für sich zu nutzen – sei es zur Erholung, oder um Dinge zu besorgen. Währenddessen werden die Erkrankten in der Steinmannstraße professionell betreut, versorgt und unterhalten. Eberle: „An den ersten beiden Freitagen im März und April waren zwischen 13 und 14 Menschen bei uns; das Angebot wurde also schon zu Beginn seines Bestehens gut angenommen.“
Die 8.000 Euro sind unter anderem für die Fachmitarbeiter gedacht und darüber hinaus für Getränke und Essen, „denn es ist nicht immer alles umsonst“, so Eberle. An der Initiative „Gut leben mit Demenz auf Sylt“ sind Sylter Pflegeeinrichtungen ebenso beteiligt wie die Johanniter, die mobilen Pflegedienste sowie unter anderem Vertreter von Kirchen und aus der Politik. Wenn das Angebot der Tagesbetreuung weiterhin so angenommen wird, „müssen wir was machen“, kündigte der SPD-Politiker an. Eberle geht von einer Mehrheit für die SPD-Initiative in Ausschuss und Gemeindevertretung aus – „zumal vor dem Hintergrund, dass es ja in Zukunft mehr Menschen geben wird, die unter dieser Krankheit leiden werden“. Über den SPD-Antrag wird in der nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses beraten, die am Montag, 19. Juni, im Sitzungssaal des Westerländer Rathauses stattfindet. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 19 Uhr.

Tag der Pflege:
Dank an Mitarbeiter


Unterdessen dankte der Einrichtungsleiter des Johanniter-Hauses am Wenningstedter Weg, Ortwin Merckens, zum Tag der Pflege am vergangenen Freitag seinen Mitarbeitern aus Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung für deren Engagement. Symbolisch überreichte er ihnen gemeinsam mit Bürgervorsteher Peter Schnittgard und Eberhard Eberle je eine Rose des Dankes. Merckens sagte, die Leistung seiner Mitarbeiter sei „unverzichtbar und anspruchsvoll. Sie sind besondere Menschen, die den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen Halt und Unterstützung geben.“
Eberle sprach deutlich die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für die Pflegeberufe und die vergleichsweise schlechte Vergütung an. „Dabei kann man vor der Arbeit, die Sie hier machen, nur den Hut ziehen.“
Auch Peter Schnittgard bedankte sich: „Danke für Ihre Arbeit. Sie sind uns sehr viel wert.“
Am Rande der kleinen Feierstunde sprach Johanniter-Einrichtungsleiter Ortwin Merckens erhebliche Probleme mit der Nachfrage nach Pflegeangeboten im Johanniter-Seniorenzentrum an der Steinmannstraße an. Demnach gebe es aktuell nur sehr wenige Anmeldungen für die insgesamt 22 Plätze in den ambulanten Wohngemeinschaften, in denen die Bewohner ihre Pflege selbst organisieren und von einem externen Pflegedienst betreut werden. „Es sind definitiv zu wenige Anmeldungen, um das Angebot aktuell starten lassen zu können“, so Merckens. Wann es in den Wohngemeinschaften losgeht, konnte er am vergangenen Freitag noch nicht prognostizieren.


Autor/-in: Heiko Wiegand