Nach einem Jahr sind am Bastianplatz immer noch 14 Wohnungen frei – Gesucht: junge Familien

31.07.2013

So soll es auf dem Bastianplatz im Jahr 2015 aussehen, wenn alle Genossenschaftsgebäude stehen. Foto: KLM

Westerland. Genau ein Jahr ist es jetzt her, dass der Sitzungssaal des Rathauses aus allen Nähten platzte: Damals fand ein Informations­abend über das genossenschaftlich organisierte Wohnen auf dem Bastianplatz statt – und mehr als 100 Interessenten kamen, um sich über Umstände und Bedingungen dieser Wohnform zu informieren. Das Interesse war riesig angesichts des Wohnungsmangels auf der Insel.
Zwölf Monate später sind von den insgesamt 42 Genossenschaftswohnungen, die ab Ende des Jahres in mehreren dreigeschossigen Gebäuden um einen Platz herum gebaut werden sollen, 14 noch nicht vergeben. „Die Gemeinde hatte in den Vorplanungen Bedingungen für die Belegung der Wohnungen festgesetzt“, erläuterte Christa Markmann, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Bastianplatz. „Es gibt beispielsweise eine gewisse Quote für Senioren – und eine andere für Familien.“ Die nötige Zahl von älteren Menschen sei schnell zusammen gekommen, „während wir noch auf der Suche nach jungen Familien sind“, so Markmann.
Für eine 75 Quadratmeter große Wohnung müssen rund 30.000 Euro Genossenschaftsanteile hingelegt werden – für viele zu viel Geld?
„Wir sind dabei, Wege zu finden, die Anteile an der Genossenschaft besser finanzieren zu können“, ergänzte sie. Gerd Nielsen, SPD-Fraktionschef in der Sylter Gemeindevertretung und Mitinitiator des Wohnprojekts, bestätigte: „Ja, wir sind auf der Suche nach Familien mit Kindern.“
Neben dem Finanzierungsproblem sieht Nielsen allerdings einen zweiten Hinderungsgrund: „Viele jüngere Leute scheuen heute auch die Verbindlichkeit, die man gegenüber der Genossenschaft eingehen muss.“ Die jungen Menschen von heute hätten oft ein anderes Lebensmodell mit mehreren Optionen – auch, was die Örtlichkeit betreffe. „Lebensmodelle von jüngeren Menschen waren früher klarer geprägt“, glaubt Nielsen.
Um das Finanzierungsproblem abzumildern, schlägt der Westerländer Politiker einen Fonds vor, „an dem sich beispielsweise auch Arbeitgeber beteiligen könnten, die von Arbeitskräften, die auf der Insel leben, ja schließlich profitieren“. Mit einem solchen Fonds könne die Finanzierung von Genossenschaftsanteilen deutlich erleichtert werden, prognostiziert Nielsen. Klar hätte er sich gefreut, „wenn es mit der Entwicklung der Genossenschaft etwas schneller vorangegangen wäre; ich erwarte deshalb vom Vorstand der Genossenschaft nochmal eine deutliche Initiative Richtung Öffentlichkeit, mit dem Ziel, Familien für diese Art des Wohnens zu gewinnen“.
Christa Markmann sieht derweil deutliche Fortschritte: „Die Eintragung der Genossenschaft ist in dieser Woche erfolgt. Und das Interesse an ihr und dem genossenschaftlichen Wohnen ist weiterhin sehr groß.“ Die ehrenamtliche Arbeit im Vorstand laufe ebenfalls gut.
Christian Hinz, seit Anfang Mai neuer Leiter der Stadtplanung in der Gemeinde Sylt, bestätigt: „Die Genossenschaft ist insgesamt gut im Zeitplan.“ Aber es sei eben auch nicht immer einfach, Menschen zu finden, die in diese Art des genossenschaftlichen Wohnens hineinpassten. „Das ist alles viel komplexer, als beispielsweise eine Wohnung zu mieten und danach Ruhe zu haben.“ Der Stadtplaner hält das genossenschaftliche Wohnprojekt indes für ein „zukunftsweisendes Erfolgsmodell für Sylt“.
Unterdessen sollen die Bauarbeiten nach Angaben der Verwaltung Anfang 2014 starten. Einen Baustart noch in diesem Jahr hält Christian Hinz im Gespräch mit unserer Zeitung für unrealistisch. 2015 sollen sämtliche Gebäude stehen.


Autor/-in: Heiko Wiegand