Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm im Interview mit unserer Zeitung - Zehn Interessenten für Sturmhaube

15.03.2017

Für die Sturmhaube in Kampen wird ein neuer Pächter gesucht. Laut Steffi Böhm gibt es zehn Interessenten für das in ganz Deutschland bekannte Restaurant. Foto: Archiv

Von Sabrina Müller

Kampen. Kunst und Kultur, Nightlife und Legenden, Natur und Entspannung. Der Leuchtturm zeigt sich in schwarzweißem Gewand und das Rote Kliff leuchtet in der Abendsonne: Kampen ist nicht ohne Grund die elegante Adresse der Insel. Die kleine Gemeinde gilt als das bekannteste Dorf Deutschlands. Prominente aus Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft sind hier mindestens zeitweise zuhause. Was hinter Kampens Kulissen passiert, womit sich die politische Gemeinde befasst und welche Projekte aktuell geplant oder in Umsetzung sind, darüber kam unser Redaktionsmitglied Sabrina Müller mit Bürgermeisterin Steffi Böhm ins Gespräch.

Sylter Orte wie Rantum laufen Gefahr, zum Geisterdorf zu werden – darüber haben wir schon ausführlich berichtet. Die Menschen sind zwar dort gemeldet, haben aber ihren Lebensmittelpunkt anderswo und kommen nur nach Sylt, um hier Urlaub zu machen. Kennt Ihre Gemeinde diese Problematik auch?
Wir leben schon länger mit dieser Problematik. Geisterdorf würde ich allerdings nicht sagen, wobei allein die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen: Wir haben knapp 500 Erst- und doppelt so viele Zweitwohnsitze.
 
Und klar: Im Winter wird es mitunter sehr ruhig bei uns. Da kann es dann sein, dass der nächste Nachbar schon ein Stück entfernt wohnt.

Wie sieht denn das Vereinsleben im Ort aus?
Unser Kernverein ist die Feuerwehr mit rund 35 Aktiven. Wegen Überalterung und Wegzug standen wir bereits kurz vor einer Zwangsverpflichtung. Aber dann haben wir es geschafft, diese zu verhindern. Neue Bürger aus dem Möwenweg, dem Börderstich und aus dem Wallhof haben sich die Wehr angeschaut, festgestellt, dass es dort eine tolle Gemeinschaft gibt und sind eingetreten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Wehr gut aufgestellt, aber darauf darf man sich natürlich nicht ausruhen.

Weitere Vereine gibt es nicht?
Es gibt den Norddörfer Sportverein, in dem viele Kampener Mitglied sind, aber dabei handelt es sich ja nicht um einen reinen Verein unseres Ortes. Früher hatten wir mal einen Gesangverein und auch einen Theaterverein, wobei solche Vereine heute auch einfach nicht mehr so in sind. Einige Kampener singen in Westerland. Im Dorf haben wir einen netten Frauen-Stammtisch.

Wie ist es um die Infrastruktur im Dorf bestellt? Der Kindergarten musste ja mangels Kampener Kinder im Sommer 2015 geschlossen werden.
Wir haben eine wunderbare Norddörfer Schule, auf die wir als Gemeinde gemeinsam mit Wenningstedt-Braderup und List sehr stolz sind. Außerdem haben wir zum Glück noch einen kleinen Dorfladen. Es ist wichtig, dass wir diesen vorhalten können. Das geht nur, weil die Gemeinde der Verpächter ist. Ansonsten besteht unsere Infrastruktur aus Galerien, Schmuck- und Modeläden – aber das ist Kampen, unsere Gäste wollen das so. Für alles andere muss man ins Auto steigen.

Wie haben sich die Einwohnerzahlen in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt?
Sie sind schon gesunken. Ein Grund dafür ist, wie überall auf der Insel, die Erbfolge: Wenn der eine den anderen nicht auszahlen kann. Ein weiterer Grund sind die verlockenden Grundstückspreise. In Kampen gibt es den teuersten Grund und Boden in ganz Deutschland. Fläche auf Sylt ist insgesamt begrenzt. Und alles, was knapp ist, ist teuer.

Welchen Stellenwert nimmt Wohnungsbau für Insulaner in Ihrer Gemeinde ein?
Die Nachfrage ist auf jeden Fall groß. Die wenigen noch nicht bebauten Grundstücke im Gemeindegebiet sind Privateigentum oder gehören dem Bund. Die Gemeinde hat noch Flächen im Außenbereich. Hier sind wir in einem intensiven Austausch mit Bauamt, Kreis und Land – allerdings stehen wir da erst am Anfang und müssen nun sehen, wie wir weiterkommen. Das Wohnraumentwicklungskonzept für die Insel sieht vor, dass bis zum Jahr 2025 insgesamt 62 neue Wohnungen in Kampen entstehen. Sie sollen den Ist-Stand sichern.

Was war das letzte große Projekt im Ort?
In den ehemaligen Kindergarten, den die Gemeinde zu Dauerwohnraum umgebaut hat, sind fast alle Mieter eingezogen. Insgesamt gibt es zwölf Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen und drei Personalzimmer. Die Mieter – alles Sylter – sind eine tolle Gemeinschaft. Jetzt gibt es dort auch wieder viele Kinder. Wir sind sehr glücklich mit dieser Lösung.

Und was ist als nächstes geplant?
Eines der nächsten großen Projekte ist die Sturmhaube, für die wir aktuell einen neuen Pächter suchen. Die Ausschreibung lief bis Ende Februar. Wir haben mehr als zehn Interessenten. Ob letztlich wieder nur Gastronomie in das Gebäude zwischen den Dünen einziehen wird, ist noch offen. Denkbar wäre auch ein Mix: Früher gab es dort im Rundhaus ein Restaurant und in den anderen Gebäudeteilen einen Buchladen und einen Massage-Praxis. Auch Hotellerie wäre denkbar. Die notwendige Sanierung wird dann in Absprache mit dem neuen Pächter geschehen. Heizung, Elektrik, Lüftung: Das muss alles neu werden.
Und natürlich wollen wir den Wohnungsbau weiter voranbringen. Das ist das Hauptthema der Gemeinde.

In anderen Inselgemeinden geht es zwischen den Gemeindevertretern mitunter ziemlich hoch her. Wie ist das in Kampen?
Unser Verhältnis ist gut. Natürlich streiten wir auch mal, aber das tragen wir nicht nach außen. So etwas bringt den Ort nicht voran. Wir sitzen zum Wohl der Gemeinde und der Insel zusammen, dafür sind wir gewählt worden: Um Kampens Attraktivität und die der Insel zu halten und zu steigern.


Autor/-in: Sabrina Müller