Denghoog im Zentrum der Gemeindevertretung

Maren Jessen: „Eine Posse!“

Rund 100 Sylter waren vorgestern Abend in den Wenningstedter Kursaal3 gekommen, um die Diskussion über den geplanten Neubau unweit des Denghoogs zu verfolgen.

Mi, 22. Mai 2019
Wenningstedt

Wenningstedt-Braderup.(sc) „Eine Posse!“, so empfand Maren Jessen, stellvertretende Vorsitzende der Sölring Foriining, die jüngste Sitzung der Wenningstedter Gemeindevertretung vorgestern Abend. Zentrales Thema war erneut das Ringen um das Steinzeitgrab Denghoog. Nachdem die auf der April-Sitzung getroffene Entscheidung der Gemeindevertreter, dem Bauherren das nötige Wegerecht zu verwehren, eigentlich die Wende im Kampf um den Schutz des Kulturdenkmals einläuten sollte, ließ der Widerspruch von Bürgermeisterin Katrin Fifeik gegen den getroffenen Beschluss am Montagabend die Emotionen erneut hochkochen. Rund 100 Sylter waren auf der Sitzung erschienen, um der Diskussion der Gemeindevertreter zu folgen. 

Zum Hintergrund: Der geplante Bau eines Wohnhauses in der Nachbarschaft der 5.000 Jahre alten Grabanlage könnte den Denghoog durch Erschütterung oder Grundwasserabsenkung beschädigen, fürchtet die Sölring Foriining als Eigentümerin der als Museum genutzten Megalithanlage. Da dem Investor andererseits aber sein Baurecht nicht ohne weiteres verwehrt werden kann, stützt der Verein seine Hoffnung auf die fehlende Zuwegung: Denn als der entsprechende Bebauungsplan erstellt wurde, ist offensichtlich nicht nur die eigentlich vorgeschriebene Schutzzone um das Kulturdenkmal vergessen worden, sondern auch die Erschließung des Baugrundstücks. Damit die Bagger anrollen können, müsste einer der zwei zum Grundstück führenden Geh- und Radwege für den Verkehr freigegeben werden. 

Anfang April beschloss der Bauausschuss der Gemeinde Wenningstedt-Braderup, sein Einvernehmen zu erteilen, sofern die Eigentümerin des Weges die Befahrung gestattet. Die Zufahrt von Süden befindet sich im Besitz der Sölring Foriining, führt über den Denkmalfuß und wird vom Archäologischen Landesamt nicht genehmigt. Für die nördliche Zufahrt hat die Gemeindevertretung im April ihr Einvernehmen für die Freigabe verweigert – zu Unrecht, wie Bürgermeisterin Fifeik nun in ihrem Widerpruch bemerkte. „Die Gemeinde hat die Entscheidungskompetenz in diesen Fällen in ihrer Hauptsatzung an den Bauausschuss delegiert“, erklärte Verwaltungsmitarbeiterin Heike Ghiladi dem Plenum. „Darum kann nur dieser das gemeindliche Einvernehmen im Sinne des Baurechtes verweigern.“ Daran konnten auch die Anträge der Fraktionen Bündnis Wenningstedt-Braderup und Zukunft.Wenningstedt-Braderup nichts ändern, die beide darauf abzielten, den bestehenden Beschluss beizubehalten – für Gemeindevertreterin Ilka Köchy-Winter „ein Elend“. Ihr fehle eine klare Haltung der Gemeindevertretung, betonte sie unter dem Applaus der Zuschauer: „Auch wenn die Verweigerung des Wegerechts nicht rechtssicher sein mag – keiner wird in Handschellen aus dem Sitzungssaal geführt, weil er sich für den Denghoog einsetzt.“ 

Die Bürgermeisterin entgegnete, dass es sich bei ihrem Widerspruch nur um eine Formalie handele, die nichts über ihre Haltung aussage: „Ich bekenne mich klar für den Schutz des Denghoogs“, so Fifeik weiter. Kai Müller von der Fraktion „Wenning­stedt Aktive Bürger“ plädierte dafür, an einem Runden Tisch mit Experten und dem Bauherrn alternative Lösungsmöglichkeiten zu finden: „Es gibt viele Fragen und noch mehr Halbwissen. Gemeinsam können wir vielleicht zu Lösungen gelangen, an die wir bisher gar nicht gedacht haben – beispielsweise einen Grundstückstausch zwischen dem Investor und der Sölring Foriining.“ Heike Ghiladi von der Verwaltung merkte an, dass die elementare Frage in der Diskussion bisher außen vor blieb, denn die Nutzung des Weges könne die Gemeinde als Eigentümerin unter Umständen durchaus verweigern – stattdessen habe sie im April aber das gemeindliche Einvernehmen zur Freigabe des Rad- und Fußweges für den Verkehr verweigert.

Ob die Gemeinde als Eigentümerin nun die Nutzung untersagt, wird vermutlich auf der nächsten Gemeindevertretersitzung geklärt werden – nachdem sich ein Runder Tisch und erneut der Bauausschuss mit dem Denghoog und der Zuwegung zum Nachbargrundstück befasst haben. Bis dahin sei der Denghoog aber sicher, so die Bürgermeisterin: „Wir haben uns juristischen Rat geholt: Solange die Gemeinde als Eigentümerin der Befahrung nicht stattgegeben hat, ist der Beschluss des Bauausschusses nach unserer Auffassung als Verweigerung des Einvernehmens zu verstehen.“