Wohin führt der Weg für Antenne Sylt?

Über die lokalen Dinge

Martin Kraus in den Räumen von Antenne Sylt an der Westerländer Friedrichstraße am Mikrofon – „einen Radiosender auch mal durchhören“

Mi, 17. Apr 2019
Sylt

Insel Sylt.(hwi) Zu viel Hardrock auf Antenne Sylt? Papperlapapp! Im Gesicht von Martin Kraus wird es ernst. „Man muss einen Radiosender auch mal durchhören. Dann finde ich mich darin immer wieder.“

Der Moderator von Antenne Sylt will oberflächliche Kritik an seinem Sender nicht einfach so stehen lassen. „Wir spielen bei weitem nicht nur AC/DC oder Coldplay. Wir spielen genauso auch Hits aus den 60-ern. Aber man darf eben nicht den Fehler machen, nach drei Minuten wieder abzuschalten. Dann lernt man den Sender nicht kennen.“

Martin Kraus moderierte schon für Antenne Sylt, als man den Sender außerhalb weniger Sommerwochen nur übers Internet hören konnte. Also kaum jemand zuhörte. Nach der Syltfunk-Pleite zu Beginn des Jahres (der Sylter Spiegel berichtete ausführlich) wendete sich dann das Blatt: Antenne Sylt übernahm die UKW-Frequenz von Syltfunk – und seit Mitte Februar kann man den Sender mit dem blau-orangefarbenen Leuchtturm-Logo nun überall auf der Insel und darüber hinaus im nördlichen Nordfriesland hören. Und natürlich weiterhin im Internet. Für den Moderator, der auch als Geschäftsführer von Antenne Sylt eingetragen ist, und natürlich für den Sender selbst war der Gang auf die Ultra-Kurzwelle der Durchbruch. Was aber soll Antenne Sylt künftig ausmachen? Was charakterisiert das Programm? „Radio ist nach wie vor das schnellste Medium“, sagte Martin Kraus. „Und es ist schnell vor Ort, wenn was passiert ist. Wir wollen natürlich über die lokalen Dinge hier auf Sylt, auf den anderen Inseln und auf dem benachbarten Festland berichten.“ Was das beispielsweise an diesem Mittwoch, 3. April, war, als wir bei Antenne Sylt zu Gast waren? „Ein Bericht über eine Cheerleader-Gruppe vom Festland, verbunden mit einer Spende. Oder ein Bericht über die Eröffnung des Restaurants Fiiwfutt im Fährhaus Munkmarsch – oder der Geburtstag der Sylter Welle“, zählte er auf. Oder ein friesischer Beitrag mit Maren Jessen. Und alles, was es von Polizei, Feuerwehr und aus der Region bis rüber nach Flensburg und runter nach Hamburg zu berichten gab. Das war eine Menge. „Nur kann es auch passieren, dass diese lokalen und regionalen Nachrichten nicht zur vollen Stunde gesendet werden, sondern zu anderen Zeiten, weil wir zur vollen Stunde eben die Welt-Nachrichten senden“, erläuterte der gebürtige Münchner. Die Welt-Nachrichten kommen übrigens von Sprechern, die nicht auf Sylt sitzen, sondern Nachrichten für alle 34 Lokalsender produzieren, zu denen seit Anfang des Jahres auch Antenne Sylt gehört. Was gibt‘s Neues vom Brexit? In Venezuela? In Algerien? An der Frankfurter Börse?

„Das müssen wir nicht auf Sylt produzieren; das kann auch ein Studio für alle lokalen Sender tun“, erläuterte Steffen Müller, der ebenfalls Geschäftsführer bei Antenne Sylt ist. „Vergleichbar ist das Konzept mit einer Mantelredaktion bei Zeitungen, die für Politik, Wirtschaft und Sport zuständig ist und mit diesen Seiten die lokalen Blätter, die vor Ort arbeiten und produzieren, beliefert.“ Das Gesicht von Antenne Sylt, und das ist Steffen Müller wichtig, wird vor Ort Martin Kraus sein. Beiden, Steffen Müller und Martin Kraus, ist wichtig, dass auf dem Sylter Radiomarkt Ruhe einkehrt, dass es nicht mehr ständig zu Verwechslungen kommt – und dass es jetzt auch wirtschaftlich vorangeht: „Wir werden da in Zukunft einiges aufbauen – so wird es lokale Werbung erstmals für Sylter geben“, sagte Martin Kraus.

Und um das alles mitzuerleben, „muss man einen Radiosender auch mal durchhören. Man darf eben nicht den Fehler machen, nach drei Minuten wieder abzuschalten. Dann lernt man den Sender nicht kennen.“ Martin Kraus steht voll und ganz hinter dem Konzept seines Senders. Und er will auf jeden Fall seinen Erfolg.