Gefahr für Denghoog? Sölring Foriining plant Kundgebung am Ostersamstag

„Viele Sylter denken um“

Foto: © Heiko Wiegand / Sylter Spiegel GmbH

Mi, 17. Apr 2019
Sylt

Insel Sylt.(hwi) Unter dem Titel „Umdenken“ steht eine Kundgebung der Sölring Foriining am kommenden Ostersamstag, 20. April, am Steinzeitgrab Denghoog in Wenningstedt. Ab 15 Uhr geht es dem Sylter Heimatverein „um den Schutz der Sylter Kultur- und Naturgüter anstelle von ungezügelter Ausweisung von Bauland“, kündigt er in einer Pressemitteilung an. Die Sölring Foriining will sich an die Spitze der Bewegung setzen: „Viele Sylter beginnen jetzt wirklich umzudenken und trauen sich, sich auch öffentlich für den Schutz unserer Insel einzusetzen. Unser Kampf zum Schutz des Steinzeitgrabs Denghoog in Wenningstedt scheint ein lange fehlendes Ventil geöffnet zu haben“, schreibt Maren Jessen, stellvertretende Vorsitzende der Sölring Foriining. Und weiter: „Wer an der Insel hängt und sie nicht weiter dem kommerziellen Ausverkauf preisgeben möchte, kann sich jetzt positionieren. Für Ostersamstag laden wir alle, deren Herz an Sylt hängt, zu einer gemeinsamen Kundgebung ein, die am Denghoog beginnt und durch Wenningstedt führen wird.“

Die Kundgebung unter dem Motto „Umdenken“ ist in den Kampf um den Schutz des Steinzeitgrabs eingebettet. „Ein geplantes Bauprojekt in Wenningstedt macht den Heimatverein der Insel zum Spielball der staatlichen Institutionen. Das führt zu immer vehementeren Protesten der Insulaner gegen die Politik und zu der Forderung, Sylt nicht weiter dem Kommerz zu opfern“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Neben dem Denghoog, einer monumentalen Grabanlage aus der Steinzeit von internationalem archäologischem Wert, ist nach Angaben des Vereins ein Neubau geplant: „Aus einem kleinen Nachbarhäuschen soll ein Gebäude mit vier unterkellerten Wohnungen und acht Parkplätzen entstehen. Da die oberirdische Fläche nur 290 Quadratmeter betragen darf, baut der Investor unterirdisch – und damit in gefährlicher Nähe zu den Tragsteinen des Steinzeitgrabs. Würden diese durch die Erschütterung der Bauarbeiten oder durch den Abtrag des Erdreichs ins Wanken geraten, könnte der zwölf Tonnen schwere Deckstein abstürzen. Und damit das Steinzeitgrab, das jährlich von mehren 10.000 Besuchern besichtigt wird, unwiederbringlich zerstören“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Unterirdisch zu bauen, sei eine für die Insel nicht ungewöhnliche Vorgehensweise, denn die Quadratmeterpreise seien auf Sylt bekanntermaßen so hoch wie an nur wenigen anderen Orten Deutschlands. Manche Bauprojekte führten deshalb in bis zu sieben Meter Tiefe, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Nicht gesichert ist nach Angaben des Vereins auch der Weg zu dem geplanten Neubau: „Auf Wunsch des Investors soll die Zuwegung über einen schmalen, bislang als Geh-und Radweg eingetragenen Weg erfolgen, der sich im Besitz des Heimatvereins Sölring Foriining befindet. Trotz eines finanziellen Angebots in sechsstelliger Höhe hat die Sölring Foriining dazu ihre Zustimmung verweigert. Unterstützt wurde sie dabei von den Gemeindevertretern in Wenningstedt, die in ihrer aktuellen Sitzung ihre Zustimmung zum Wegerecht ebenfalls verwehrten.“

Das Archäologische Landesamt des Landes Schleswig-Holstein sowie der zuständige Kreis Nordfriesland schöben hingegen die Zuständigkeiten zwischen Denkmalschutzgesetzgebung und Baugesetzgebung hin und her. Daran, so die Sölring Foriining, habe bislang auch die Zusage von Kultusministerin Karin Prien nichts ändern können. Sie ließ den Heimatverein schriftlich wissen, dass „alles rechtlich Nötige und Mögliche getan werde, um den Denghoog zu schützen“.