Der Sylter Spiegel im Gespräch mit Ralf Westphal, dem Vorsitzenden von Team Sylt

„Engere Zusammenarbeit mit SCN“

Dieses Foto entstand nach dem Aufstieg von Team Sylt im Jahr 2015. In der zweiten Reihe, der vierte Mann von links ist unser Interviewpartner Ralf Westphal, der Vorsitzende von Team Sylt.

Mi, 17. Apr 2019
Westerland
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Sylt

Westerland. König Fußball regiert als Sportart nicht nur die Republik, sondern auch die Insel. Allein beim Team Sylt sind rund 260 Aktive auf Torejagd, der Verein zählt insgesamt knapp 340 Mitglieder. Der Vereinsvorsitzende Ralf Westphal freut sich seit zwei Jahren über stetig steigende Mitgliederzahlen. Welche Perspektiven hat der Fußball auf der Insel? Welche Ziele verfolgt der Vorsitzende des größten Fußballvereins zwischen List und Hörnum? Unser Redaktionsmitglied Heiko Wiegand ist vor kurzem mit dem gerade 60 Jahre alt gewordenen gebürtigen Hallenser ins Gespräch gekommen.

 

Herr Westphal, welche Perspektiven sehen Sie für den Fußball auf der Insel?

Um diese Frage zu beantworten, muss man erstmal in die Vergangenheit zurückblicken. Als ich vor 30 Jahren, im Jahr 1989, nach Sylt kam, gab es auf dieser Insel 13 fußballspielende Herrenmannschaften, davon allein zwei oder drei in Tinnum und drei in Westerland. Es gab damals sogar noch einen Verein, in dem Fußball gespielt wurde, den heute niemand mehr von den Jüngeren kennt: Fortuna Rantum. Es gab 1989 acht Altliga-Teams auf der Insel, die jedes Jahr im Sommer auf drei Fußballplätzen neben der Fliegerhorstsporthalle den Inselmeister ausspielten. Da kommt der Fußball auf Sylt her.

 

Heute gibt es noch zwei Sportvereine auf Sylt, die Fußball anbieten – Team Sylt und den SC Norddörfer. Wie erklären Sie diesen Rückgang?

Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich stark verändert. Das ist aber nicht nur auf Sylt so, sondern in ganz Deutschland. Speziell hier auf der Insel hat aber sicherlich auch der vollständige Abzug der Bundeswehr dazu geführt, dass es mit dem Fußball auf der Insel nachgelassen hat.

 

30 Jahre sind eine lange Zeit. Wir hat sich die Situation im Sylter Fußball bis heute genau entwickelt?

Bis 2000 wurde in Tinnum noch Fußball gespielt, in Morsum, beim SC Norddörfer und in Westerland. Aber die Zahl der Aktiven nahm ab, so dass in dieser Zeit Morsum und Tinnum bereits fusionierten. Und dann, 2002, gab es in Sachen Fußball auf Sylt die große Fusion: Die Fußballer von Tinnum 66, vom TSV Westerland, von den Sportfreunden List und vom TSV Morsum spielten unter dem Dach von Team Sylt weiter. Damit konnten wir Kräfte bündeln, um möglichst für alle Altersgruppen Mannschaften melden zu können. Auch für die Frauen übrigens.

 

Warum schlüpfte der SC Norddörfer nicht unter das Dach von Team Sylt? In Zeiten von zurückgehenden Aktivenzahlen und zunehmenden Schwierigkeiten bei der Suche nach Betreuern wäre ein Zusammengehen doch für beide Seiten ein Vorteil. Das ist so. Deshalb ist es unser klares Ziel, in Zukunft mit dem SC Norddörfer enger zusammenzuarbeiten. Eine gemeinsame Spielgemeinschaft zu bilden. Damit wir gegen die Spielgemeinschaften auf dem Festland überhaupt mithalten können. Sowohl der SCN als auch wir haben Schwierigkeiten – allein von der Anzahl der Köpfe her – Mannschaften zu melden. 

 

Herr Westphal, um noch einmal auf meine erste Frage einzugehen: Wo sehen Sie für den Fußball auf Sylt zukünftige Perspektiven? Welche Liga halten Sie für realistisch, wenn man die Kräfte auf der Insel noch einmal bündelt?

Wir mussten vor zwei Jahren unsere Erste Mannschaft abmelden, weil wir einfach zu wenig Köpfe hatten. Denn nicht nur das Freizeitverhalten der Menschen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt, sondern auch das Arbeitsleben. Viele können heute nicht mehr regelmäßig ins Training oder mit zu Spielen fahren, weil sie arbeitsmäßig gebunden sind. Vor diesem Hintergrund sportlich eine höhere Liga anzustreben, wäre völlig unrealistisch. Team Sylt spielt derzeit in der Kreisklasse B und steigt hoffentlich in die Kreisklasse A auf, wo derzeit der SC Norddörfer spielt. Wenn wir uns in Zukunft mit dem SCN zu einer Spielgemeinschaft vernetzen, ist es sicherlich unser Ziel, noch einmal in der Kreisliga Nordfriesland zu spielen. Höhere Klassen halte ich aber auch nach einem Zusammengehen mit dem SCN für unrealistisch.

Sie sind jetzt vier Jahre Vorsitzender von Team Sylt. Welche Ziele haben Sie außerdem im Kopf?

Fußball ist ein Mannschaftsport. Für unseren Nachwuchs kann man es gar nicht hoch genug einschätzen, was Kinder und Jugendliche in einem Mannschaftssport wie dem Fußball alles lernen können: Sozialkompetenz, ein guter Umgang miteinander – aber auch anzuerkennen, dass andere besser sind. Und dass Niederlagen weh tun. Es wäre schade, wenn all das vor die Hunde gehen würde. Auch vor diesem Hintergrund wünsche ich mir, dass wir möglichst mit dem SCN an einem Strang unsere Jugendarbeit stabilisieren und für jede Altersklasse weiterhin eine Mannschaft bilden können. Und eine Erste Herrenmannschaft, die von einer guten Jugendarbeit langfristig profitieren wird.

 

Dann wären Sie als Vorsitzender eines Fußballvereins rundum glücklich?

Auch die Anzahl der Trainer und Mannschaftsbetreuer geht zurück. Da würden wir uns über mehr Engagement gerade von denen freuen, die früher aktiv bei uns gespielt haben. Vereine, nicht nur der unsere, leben vom Ehrenamt. Wer Lust hat mitzumachen oder wieder mitzumachen, ist dazu herzlich eingeladen. Ich bin unter meiner Handynummer 0151 22199254 erreichbar.