Günther Fielmann fördert Restaurierung eines royalen Möbelstücks mit 3.500 Euro

Königlicher Stuhl fit für Zukunft

Foto: © Jörg Peterkord / Sylter Spiegel GmbH

Claudia Borgmann und Museumsleiter Alexander Römer freuen sich, dass der Stuhl aus dem Besitz von Caroline Mathilde von Dänemark jetzt dank der Fielmann AG restauriert ist.

Mi, 15. Mai 2019
Keitum

Keitum.(jpe) Traurige Schicksale schöner Frauen von edlem Geblüt haben einen festen Platz in den Herzen der Menschen. Das verbindet Prinzessin Diana und Kaiserin Sissi von Österreich-Ungarn mit Caroline Mathilde von Dänemark. Die jeweiligen Erinnerungsstätten beflügeln die Phantasie der Besucher. Dafür sorgen Gegenstände, die eine Brücke über die zeitliche Distanz schlagen; Dinge, die jene mit Händen berührt haben, deren Geschichte heute noch die Seelen rührt. Wie eben auch der ursprünglich aus dem Besitz von Königin Caroline Mathilde von Dänemark (1751 - 1775) stammende Stuhl im Altfriesischen Haus der Sölring Museen. 

Dieser Stuhl aus der Sammlung des Sylter Chronisten Christian Peter Hansen ist jetzt dank der Unterstützung von Günther Fielmann aufwendig restauriert worden. Die Kosten über 3.500 Euro sind komplett von der Fielmann AG übernommen worden. „Eine erstaunliche Zahl“, wie Museumsleiter Alexander Römer beim Pressegespräch zur Übergabe des Stuhls bestätigte. Es sei eben auch ein erstaunlicher Aufwand betrieben worden. Denn schließlich umwehte das gute Möbelstück auch der Verdacht des Holzwurmbefalls. Eine Horrorvorstellung für das Altfriesische Haus. Von diesem Verdacht ist der Stuhl nun befreit. Dank intensiver Pflegemaßnahmen eines Holzrestaurators und einer Lederrestauratorin in enger Abstimmung mit dem verantwortlichen Kunsthistoriker der Fielmann AG, Jürgen Ostwald, ist das Möbelstück nun besser gegenüber dem Zahn der Zeit gewappnet.

Stellvertretend für den Förderer hat in der vergangenen Woche Claudia Borgmann, Leiterin der Fielmann-Niederlassung, den restaurierten Stuhl übergeben.

Der Stuhl hat nun also wieder seinen Platz im Altfriesischen Haus. Wie er aus dem Besitz von Caroline Mathilde von Dänemark den Weg in die Sammlung von Christian Peter Hansen und mit dem Kauf des Altfriesischen Hauses im Jahr 1906 in die Museumssammlung gefunden hat, ist abschließend nicht zu klären. Möglicherweise erreichte er über Celle die Insel.

In Celle waren der Dänischen Königin nach der Scheidung nicht mal drei Jahre vergönnt, bis sie am 10. Mai 1775 im Alter von nur 23 Jahren starb. Ihren Platz in den Geschichtsbüchern und diversen Drehbüchern von Kinofilmen hat sie indes einer ebenso pikanten wie blutigen Affäre zu verdanken. Ihre Geschichte ist in Dänemark Schulstoff und in Deutschland weitgehend unbekannt. Sie beginnt 1766 als Eheallianz zweier europäischer Höfe: Christian VII., König von Dänemark und Norwegen, heiratet Caroline Mathilde, jüngste Schwester des britischen Königs Georg III. Es soll keine flammende Liebe gewesen sein, welche die beiden verband. Zudem galt Christian VII. als ein psychisch labiler Mann mit Anzeichen einer beginnenden Geisteskrankheit. Unter dem Einfluss seines Leibarztes Johann Friedrich Struensee besserte sich sein Zustand. Auch die Königin vertraute sich Struensee bald an. Eine Liebesbeziehung zwischen dem deutschen Leibarzt und der Königin begann. Die Liaison, die auch die einzige Tochter Mathildes hervorgebracht haben soll, nahm ihren schicksalhaften Lauf. Im politischen Spannungsfeld zwischen den Ideen der Aufklärung und dem Adel, der auf seine Pfründe pochte, entwickelte sie Sprengkraft.

Struensee stieg rasch auf, wurde mächtigster Mann im Staat Dänemark. Mit Unterstützung des Königs startete er ein gigantisches Reformprogramm. Der Adel schlug mit Hilfe des Volkes zurück, das gegen den Deutschen Struensee, der angeblich den König stürzen wollte, mit Verschwörungstheorien aufgestachelt wurde. Der gescheiterte Aufklärer Struensee und ein Vertrauter wurden am 28. April 1772 in Kopenhagen wegen Majestätsbeleidigung geköpft, die Reformen wurden rückgängig gemacht.

Auch gegen Caroline Mathilde wurde prozessiert, ihre Ehe geschieden. Schlimmeres verhinderte ihr Bruder und britischer König Georg III., der sogar mit seiner Flotte drohte. 

Am 31. Mai 1772 musste Caroline Dänemark ohne ihre Kinder verlassen. Unter dem Verlust ihrer Kinder litt sie sehr. Im Exil in Celle nahm sie sich der vierjährigen Sophie von Bennigsen quasi als Ersatz-Tochter an. Caroline Mathilde hat nach ihrem plötzlichen Tod am 1. Mai 1775 kein Testament hinterlassen. Doch Sophie von Bennigsen erbte Schmuck und Möbel aus dem Nachlass der Königin. Darunter vielleicht auch einen Stuhl, der von der interessanten Geschichte Mathildes erzählt.