Sandabtragungen und Zugausfälle

Sylt trotzt „Sabine“

Foto: © Supanz

An den Ufern wurde „Sabines“ Kraft sichtbar. 

Mi, 12. Feb 2020
Sylt

Insel Sylt.(fbt/nk) Sturmtief „Sabine“ wirbelte am Wochenende so einiges durcheinander. Zum einen machte der kräftige Sturm vielen Interessierten der Ehrenamtmesse am Sonntag einen Strich durch die Rechnung. „Aus Sicherheitsgründen wegen des Sturms mussten wir die Veranstaltung leider kurzfristig absagen“, so Holger Bünte, einer der Organisatoren. Da das Kongresszentrum an der stürmischsten Stelle der Insel steht, wollte die Gemeinde kein Risiko eingehen. Ein Ersatztermin steht noch nicht fest, man bemühe sich aber, einen geeigneten zu finden. „Wir sind aber einen guten Weg gegangen und konnten gemeinsam die Vorbereitungen schon einmal durchspielen, so dass wir uns sehr auf den nächsten Termin freuen“, so Bünte. Leider hat „Sabine“ auch an der Küste ihre Spuren hinterlassen. Joschka Touré, stellvertretender Pressesprecher im Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung, bestätigte am Dienstag, dass es Sandabtragungen gegeben habe. Wie viel, könne man noch nicht „quantifizieren“. Mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz (LKM) werde es am Donnerstag eine Begehung geben, nach der genaue Zahlen vorliegen. „Zwei von fünf Sturmfluten sind durch“, so Touré, „es wird weitere Sandabtragungen geben.“

Auch für den Meteorologen Lars Rohwer war „Sabine“ ein für Sylt „ganz normaler Sturm, wie er häufig vorkommt. An der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in List wurden in der Spitze 117 km/h gemessen. Seit dem Jahr 1952 war es insgesamt an 194 Tagen windiger als am Sonntag“, weiß Rohwer von husumwetter.de. Etwas ungewöhnlich sei höchstens die Standhaftigkeit und die damit verbundene Sturmflutserie. Es bleibe bis weit in den heutigen Mittwoch hinein zumindest bei schweren Sturmböen. Aber auch das sei normal, meint der Wetterexperte.

Bahnverkehr eingestellt

Auch auf der Schiene sorgte „Sabine“ für eine Menge Ausnahmesituationen. Das betraf sowohl die Deutsche Bahn (DB) als auch den den blauen Autozug: Pressesprecherin Meike Quentin zufolge konnte von Sonntag 9 Uhr bis Montag 5 Uhr kein blauer Autozug auf die Insel fahren. Insgesamt fielen elf Züge aus.

Kunden, die online gebucht hatten, wurden persönlich informiert, auch die Firmenkunden und Speditionen (insbesondere für den Frühzug, 4.30 Uhr ab Niebüll). Schon am Samstag, so Meike Quentin, hatte der blaue Autozug eine Nachricht herausgegeben, dass Sonntag Züge ausfallen, genauso am Sonntag für Montag.  Die Folgen? „Betroffen waren mehrere hundert Fahrgäste“. Die hätten auf die Informationspolitik positiv reagiert: „Das freut uns sehr, weil der freundliche, persönliche Umgang mit Fahrgästen uns sehr wichtig ist“. Der wirtschaftliche Ausfall für den blauen Zug beläuft sich auf einen fünfstelligen Betrag. Schäden für Fahrgäste des blauen Autozugs oder sein Personal, an Anlagen und Zügen gab es nicht. Die Signale standen auch für den DB-Syltshuttle auf Rot: Er verkehrte das letzte Mal am Sonntag um 12.05 Uhr ab Niebüll und in der Gegenrichtung um 12 Uhr ab Westerland. Die DB fuhr zunächst mit ihrem Fernverkehr Küsten- und sturmgefährdete Regionen nicht mehr an, Sonntagnachmittag wurde dann die Einstellung aller Fernzüge gemeldet. Und Sonntagnachmittag hieß es: „Zwischen Husum und Westerland verkehren derzeit keine Züge.“ Betroffen von den Einschränkungen war nicht nur die Marschbahn, sondern auch viele andere Strecken.

Am Montag waren die Streckensperrungen aufgehoben. „Es kann jedoch weiterhin zu Zugverspätungen und -ausfällen kommen“, so die DB. Wenn Züge langsamer fahren müssten, verlängere sich die Reisezeit.

Auch die Polizei Westerland hatte keine schweren Einsätze zu verzeichnen. Insgesamt acht Mal mussten die Beamten sturmbedingt ausrücken, weil sich Baustellenabsperrungen durch die kräftigen Böen teilweise selbstständig gemacht hätten. Außer einer kurzen Straßensperrung in List sei „überhaupt nichts erwähnenswertes los gewesen“, heißt es von der Wache in der Stephanstraße. „Sylt weiß eben mit Sturm umzugehen“.