Neues Pastorat eingeweiht – Gemeinde feierte

An einem Platz alles vereint

Foto: © Heiko Wiegand / Sylter Spiegel GmbH

Pastorin Anja Lochner vor dem neuen Pastorat, das architektonisch bewusst einen Gegensatz zum reetgedeckten Gemeindezentrum bilden soll. Unten links: die anwesenden Mitglieder des Kirchengemeinderats, unten rechts: die Baufachleute, die für den Bau Verant

Mi, 08. Mai 2019
Sylt

Westerland.(hwi) „Eigentlich wollten wir das Gemeindezentrum gar nicht anfassen. Aber die Lösung ist, so wie sie jetzt ist, gut.“ Anja Lochner, die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Westerland, sitzt in der kleinen Besprechungsecke in ihrem Büro und blickt auf den Beginn des ambitionierten Bauprojekts am Kirchenweg zurück, an dessen Ende in wenigen Wochen ein neues Pastorat stehen wird – und ein nach aufwändiger Sanierung deutlich aufgewertetes Gemeindezentrum: „Im Mai vergangenen Jahres haben wir mit den Arbeiten begonnen, aber eigentlich liegen erste Überlegungen schon zehn Jahre zurück.“

Auf dem Gelände des Gemeindezentrums wurde in den vergangenen Monaten nach ausführlichen Überlegungen, Planungen und Gesprächen ein Problem gelöst, das seine eigentliche Ursache am Heideweg hatte.

Das dort gelegene, vom scheidenden Pastor Christoph Bornemann bewohnte Pastorat, war baufällig. „Idealerweise wollten wir dort neu bauen, das war das ursprüngliche Ziel. Aber dafür fehlte der Kirchengemeinde das Geld“, erläuterte die Pastorin im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Kirchengemeinderat rang sich deshalb dazu durch, die Pastorats-Immobilie im Westerländer Norden zu verkaufen und mit dem Verkaufserlös den Neubau eines Pastorats auf dem Gelände des Gemeindezentrums zu finanzieren, die Sanierung des bestehenden Gemeindezentrums inklusive.

„Die jetzige Lösung hat den Charme, dass alles an einem Platz vereint ist, wir haben die Lösung eines kirchlichen Zentrums verwirklicht.“ Auf dem Grundstück am Kirchenweg existierte ein bisher nicht genutztes Baufenster, also starteten die Planungen für das neue Pastorat schräg hinter dem Gemeindezentrum, vom Kirchenweg aus gesehen. Entstanden ist ein optisch ansprechender Neubau als in Grün gehaltene Flachdachlösung – ein architektonisch bewusst gesetzter Kontrast zum Ziegelsteinbau aus den 20-er Jahren, in dem sich das Gemeindezentrum befindet. „Die Aufgabe war, dem alten Komplex etwas Modernes entgegenzusetzen, einen Kontrast zum Bestehenden herzustellen und dem Reetdach eine Flachdachlösung ohne Reet gegenüberzustellen“, sagte Anja Lochner. Zur gefundenen architektonischen Lösung werde es natürlich verschiedene Meinungen geben, wie es zur Größe des Pastorats vereinzelt kritische Stimmen gebe. „Das ist eine Vorgabe des Landeskirchenamtes, die von uns so umgesetzt werden musste. Wir mussten uns an die gesetzlichen Vorschriften halten, in denen beispielsweise auch die Größe des Bürotrakts für die Pastoren geregelt ist.“ Überdies, so Lochner weiter, hätten viele Pastoren zwei oder drei Kinder – „und wir wollen ja auch etwas zum Anbieten haben auf der Suche nach einer neuen Pastorin oder einem neuen Pastor, denn Christoph Bornemann wird am 31. Juli in den Ruhestand verabschiedet werden.“

Das Gemeindezentrum selbst wurde im Zuge der Bauarbeiten von Grund auf saniert. So erhielt der denkmalgeschützte Bau ein neues Reetdach, das allein eine Viertelmillion Euro kostete. Der Saal wurde deutlich kleiner – etwa ein Drittel der ursprünglichen Fläche ist nun Teil des neuen Pastorats. Der Eingangsbereich wurde etwas schmaler gestaltet, dafür hat der Saal  mehr Platz bekommen. 100 Menschen passen hinein und können sich über einen neuen Anstrich freuen, über einen neuen Boden und in die Wände eingepasste Schränke, die künftig als ansehnlicher Stauraum dienen.    

„Der Denkmalschutz hat viele Vorgaben gemacht; so konnten wir die alten Fenster nicht einfach so durch neue ersetzen, sondern mussten die alten recht aufwändig sanieren lassen“, erläuterte die Pastorin. Die Entscheidung für eine neue Gasheizung, die die alte Ölheizung ersetzt hat, ist ebenfalls dem Denkmalschutz geschuldet. Betrieben wird sie künftig mit Biogas.

Die Kosten für den Umbau trägt die evangelische Kirchengemeinde Westerland vollständig selbst, darauf legt Anja Lochner Wert.

Am gestrigen Dienstag wurde nun Einweihung gefeiert. Die Kirchengemeinde hatte geladen – und viele Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft waren gekommen, um sich ein Bild vom neuen alten Gemeindezentrum zu machen – und vom nagelneuen Pastorat.

„Wir sind zufrieden mit dem Umbau und dem Ablauf der gesamten Baumaßnahme“, bilanzierte auch Horst-Peter Feldt, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates, im Gespräch mit dem Sylter Spiegel. Der Weg zur endgültigen Lösung, so Feldt, sei ein langer gewesen, „aber nun kann sich das Ergebnis wirklich sehen lassen.“