Finanzprobleme: Aus für das Großprojekt Nordsee College in List – Am Ende fehlten 3,2 Millionen

28.06.2012

Informierten über das gescheiterte Projekt Nordsee College
Sylt: Initiator Philipp Graf von Hardenberg (l.) und Lists
Bürgermeister Wolfgang Strenger. Foto: hwi

List. Das Nordsee College Sylt (NCS) ist Geschichte. Initiator Philipp Graf von Hardenberg haben am Ende nach eigenen Angaben rund 3,2 Millionen Euro gefehlt, um das ehrgeizige Internatprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Marineversorgungsschule zu finanzieren. Das sagte er gestern auf einer Pressekonferenz, die zusammen mit Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger stattfand. Nun wird ein seit Jahren in der Schublade liegender so genannter Durchführungsvertrag zwischen der NCS-Besitzgesellschaft und der Gemeinde List zum Zuge kommen, in dem Einzelheiten über die Zukunft des knapp 18 Hektar großen Areals geregelt sind, sollte das pädagogische Großprojekt scheitern. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass dort in den nächsten Jahren 282 Mietwohnungen für Sylter entstehen sollen.

Aktuell gebe es zwar noch Verhandlungen mit einem möglichen Investor, der bis spätestens Mitte Juli zusagen müsse. „Wenn ich ehrlich bin, glaube ich daran aber nicht mehr so richtig“, sagte der NCS-Initiator. Gescheitert sei das Projekt vor allem an „nicht erfüllbaren Konditionen“ im Zusammenhang mit einer Millionenbürgschaft des Landes Schleswig-Holstein. Durch den Ausfall dieser Bürgschaft um die Jahreswende 2011/2012 sei das von den Gesellschaftern der Betriebsgesellschaft zu erbringende Eigenkapital um zwei Millionen Euro gestiegen.

Die Auflagen zur Genehmigung einer Landesbürgschaft in Höhe von 1,85 Millionen Euro seien „nicht erfüllbar“ gewesen, betonte von Hardenberg. Zu diesen Forderungen aus Kiel habe unter anderem gehört, „dass wir einen Nachweis für 130 Anmeldungen von Schülern bis Januar 2012 hätten vorlegen müssen.“ Bis Dezember hätten sich bekanntlich nur 48 angemeldet, „wobei es im Internatsbereich doch klar ist, dass die meisten Anmeldungen erst eingehen, wenn im Frühjahr die Zwischenzeugnisse vorliegen“.

Diese Auflagen seien erst um die Jahreswende aufgestellt worden. „Im März 2011, also ein Dreivierteljahr zuvor, hatte das Land in Verhandlungen mit unserer Bank diese Forderungen noch nicht gestellt“, kritisierte von Hardenberg.

Die beiden Orkane, die ebenfalls um die Jahreswende über die Insel gefegt waren, hätten überdies hohe Schäden auf der Baustelle des Nordsee Colleges angerichtet. Dadurch hatte sich die bereits für diesen Sommer geplante Eröffnung um ein Jahr nach hinten, in den Spätsommer 2013, verschoben. In diesem Jahr Zwangspause hätten acht feste Mitarbeiter auf Führungsebene weiter bezahlt werden müssen, ohne dass es für diese Zeit Einkünfte aus dem laufenden Internatsbetrieb gegeben hätte. „Auch dadurch sind die Kosten noch einmal ordentlich in die Höhe geschossen“, so von Hardenberg.

Um das fehlende Geld zu beschaffen, sei seit Jahresbeginn mit fast 40 möglichen Investoren gesprochen worden. Fünf davon hätten näheres Interesse gezeigt, ohne dass es am Ende zu wirklich greifbaren Ergebnissen gekommen wäre. Irgendwann sei klar gewesen, so der NCS-Initiator, dass die Suche nach neuen Investoren eine zeitliche Grenze habe. Die sei jetzt erreicht.

Nun wird es aller Voraussicht nach zum „Plan B“ kommen, wie Lists Bürgermeister Wolfgang Strenger gestern sagte. Zunächst werde die Gemeindevertretung mit juristischem Beistand klären lassen, ob die Voraussetzungen für den Anlauf dieses „Durchführungsvertrages“ zwischen Gemeinde und NCS-Besitzgesellschaft auch tatsächlich gegeben seien. Wenn diese Voraussetzungen festgestellt seien, starteten die Planungen für den Bau von Wohnungen für Sylter, so Strenger. Die Lister Fraktionen wurden gestern Abend erstmals über die neue Situation informiert.

Im Durchführungsvertrag ist von bis zu 282 Wohnungen die Rede, die als Dauerwohnraum genutzt werden sollen. 70 davon sind für betreutes Seniorenwohnen vorgesehen. Bei den verbleibenden 212 Wohneinheiten hat die Gemeinde ein 70-prozentiges Vorschlagsrecht für die Belegung. Diese Wohnungen sollen höchstens 9,80 Euro pro Quadratmeter Miete kosten, hieß es gestern abschließend.


Autor/-in: Heiko Wiegand